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In der Serie „0711er der Woche“ stellen wir euch jeden Montag einen Stuttgarter vor, den man unter Umständen kennt – und doch nicht so recht kennt. Leute, die unsere Stadt durch ihr Schaffen auf verschiedenste Art bereichern, aber oftmals doch im Hintergrund bleiben. Menschen wie du und ich, die ihren Teil dazu beitragen, dass Stuttgart das ist, was es ist: unsere Stadt, die Mutterstadt. Nachdem wir mit dem jeweiligen 0711er etwas Zeit verbringen, verewigen sie sich in unserem 0711er Buch.


Jimmie Surles tanzt auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig: Er choreographiert, coacht, modelt, gibt Workshops, zeigt Frauen wie man auf High-Heels läuft und macht ganz nebenbei noch seinen Master in Kommunikationswissenschaften an der Uni Hohenheim. Als Tänzer stand er schon mit so manchem nationalen und internationalen Künstler auf den Bühnen dieser Welt. Sein Repertoire reicht von Ballett über Jazz und Modern, Standard- und Latein bis hin zu Hip Hop. Wir haben einen Blick hinter die Kulissen seines Tänzer-Daseins geworfen.

Ein Text von Alessandra mit Fotos von Felix

Bevor Jimmie quasi als Senkrechtstarter die Tänzerlaufbahn einschlug, tauchte er nach dem Abi erst einmal für seinen Zivi in die Tiefen des Archivs des Krankenhauses Ludwigsburg ab. Dort stellte er – neben dem Einsortieren von Akten – seinen persönlichen Solitär-Rekord auf, erzählt uns unser 0711er lachend. Nachdem er sich ausgiebig mit der Kunst des Kartenspielens beschäftigt hatte, folgte eine Ausbildung bei der Bank. Den Abschluss in der Tasche, ging es dann für ein Marketingstudium nach Künzelsau.

Getanzt habe er schon immer gern, verrät Jimmie und weiß auch, woher das kommt: “Ich bin mit Funk, Soul und R’n’B aufgewachsen – das mit dem Tanzen kam dann einfach ganz von selber dazu. Ich hab’ schon immer spaßeshalber in Clubs getanzt und mit 16 dann angefangen mit Turniertanz.”

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Zum Hip Hop kam unser 0711er mehr oder weniger durch einen Zufall: Während andere für gewöhnlich erst einmal selbst Unterricht nehmen, bevor sie zum Trainer werden, wurde Jimmie noch vor seiner ersten eigenen Tanzstunde vom Fleck weg engagiert. “Ich war damals mit einer Freundin in der New York City Dance School, die dort bereits Dozentin war. Sie war krank und meinte nur: ‘Kannst du mal eine Acht machen, bitte?'” Dann kam die Inhaberin dazu und stellte ihn ohne lange zu fackeln ein. Tja, so schnell kann’s gehen!

In den folgenden beiden Jahren nahm Jimmie – parallel zu seinem eigenen Kurs und zum Studium – selbst Unterricht und pendelte dafür sogar alle drei Monate nach LA. 2004 stellte dann ein Anruf aus Berlin seine Zukunftspläne gehörig auf den Kopf: “Ich war gerade in meinem 7. Semester – also eigentlich fast fertig mit dem Studium – da wurde ich gefragt, ob ich für einen Videodreh nach Berlin kommen wolle”, berichtet der 39-Jährige.

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Meine Tanzlehrer in LA meinten damals zu mir: ‘Jimmie, du hast ein Tänzerherz. Du musst Tänzer werden.’

Also ließ er das Studium sausen und entschied sich fürs Tanzen. “Ich hab’ damals gedacht: ‘Ok, es soll eben so sein’ und hab’ dann leider mein Studium nicht abgeschlossen.” Nach dem zweijährigen Pendelmarathon zog er 2005 für ein Jahr in die Stadt der Engel, die ihn jedoch herzlich wenig an einen himmlischen Ort erinnert. Und so beantwortet er die Frage, wie es ihm dort gefallen habe mit einem: “Das Wetter war gut” und lacht. 2006 sei er zurück gekommen, weil er gemerkt habe, dass ihm diese “Plastikwelt” nicht so zusagt. Außerdem sei er einfach deutsch bzw. europäisch geprägt, erklärt er.

LA war einfach nicht so mein Ding. Ich hab’ gemerkt, dass nicht alles gold ist, was glänzt.

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Die Entscheidung, nach LA zu gehen, bereue er heute trotzdem nicht: “Das war eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte”, sagt Jimmie und fügt hinzu: “Ich hab’s aber auch nie bereut, dass ich wieder nach Stuttgart gekommen bin.” Und auch wenn er selten zu Hause ist, kommt er immer wieder gerne zurück.

Stuttgart ist meine Heimat. Ich liebe diese Stadt einfach, deswegen bin ich auch wieder hier.

Wieder zurück in ‘good old Germany’ nahm unser 0711er 2006 an der Tanzshow “You Can Dance” teil und kam bis ins Finale. 2007 fing er dann an, selbst als Choreograph für Events, Fashionshows und Independent Künstler zu arbeiten. Sein Erfolg lässt sich leicht erklären: Das, was er tut, tut er mit Leidenschaft. “Tanzen beginnt im Herzen”, da ist sich der 39-Jährige sicher. “Ich lasse mich immer von der Musik und den Menschen leiten, die ich coache. Was am Ende zählt ist, die Leute gut aussehen zu lassen und nicht, ihnen meinen Stil aufzudrücken.”

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Eine Einstellung, die ihm bis heute so manchen Job eingebracht hat. Und so choreographierte er beispielsweise Stücke für eine Vorstellung namens “Show me” im Friedchichstadtpalast, Shows für Adidas, BMW, für die Geschwisterliebe oder die “Haute Cueture” Modenschau im Gerber. Außerdem auf der Liste seiner Errungenschaften: Diverse Independent Streifen, eine Statistenrolle im Film “Bobby Kennedy”, sowie Auftritte mit Größen wie Grace Jones, Mariah Carey und Nile Rodgers.

Neben seinen regulären Tanzschülern schauen ihm übrigens seit geraumer Zeit auch zwei Mädels auf die Füße, die mit gerade einmal 14 Jahren bereits über 10 Millionen Follower bei Instagram haben: Lisa und Lena oder auch “unsere Social Media Phänomene”, wie Jimmie es auf den Punkt bringt. Vor allem bei diesem Job kann er nicht nur seine tänzerischen Erfahrungen an die beiden weitergeben, sondern sie auch darüber hinaus beraten: “Ich habe schon viele Leute gecoacht, die ständig in der Presse waren. Diese Tatsache und mein Studium hilft natürlich, um den Mädels beizubringen, wie sie sich Journalisten gegenüber am besten verhalten sollten”, so Jimmie.

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Wenn der 39-Jährige nicht gerade das Tanzbein schwingt, verbringt er so viel Zeit wie möglich mit Freunden und Familie und ganz wichtig: Seinem Patenkind. Außerdem ist sein Wunsch für die Zukunft, so paradox dieser auch klingen mag, mehr zu reisen. “Ich hab’ mir das für die nächsten Jahre fest vorgenommen”, sagt er entschlossen. Nach Amerika zieht es ihn seit dem 7. November letzten Jahres vorerst einmal nicht mehr, aber Australien, Kanada, Südafrika und Schottland (seiner Vorliebe für guten Whiskey sei Dank) stehen ganz weit oben auf seiner Bucket List.

Durch meine Jobs bin ich natürlich schon viel gereist, aber außer dem Trainingssaal und der Location siehst du eben nicht viel.

0711blog-stuttgart-0711er-der-woche-lifestyle-musik-tanzen-hip-hop-6Neben dem Coaching und dem Choreographieren möchte Jimmie in Zukunft noch das ein oder andere Konzeptvideo drehen – künstlerisch soll es werden. “Aber mal sehen, ob und wann ich die Zeit dafür finde”, sagt er und lacht. Und falls das mit dem Tanzen mal nichts mehr sein sollte, lautet sein Plan B: “Ich könnte mir gut vorstellen ins Marketing oder die PR zu gehen, falls es mal nicht mehr geht oder ich ‘nen geregelten Job will.”

Eines steht jedoch fest: In nächster Zeit werden wir definitiv noch die ein oder andere “Acht” von Jimmie zu Gesicht bekommen – und das ist auch gut so! Für alle, die dem 39-Jährigen gern selbst einmal über die Schulter bzw. auf die Füße schauen möchten, gibt er dienstags einen Hip Hop-Masterclass-Kurs an der New York City Dance School in Stuttgart. Einen kleinen Vorgeschmack auf das, was euch dort erwartet gibt’s hier.

NAME … Jimmie Surles – ALTER … 39

HERKUNFT … Ludwigsburg – STADTTEIL … Stuttgart Süd

WAS ICH SO MACH’ … Choreograph/ Coach/ Tänzer/ Student

MEIN LIEBLINGSORT IN STUTTGART IST … gibt nicht den Einen

GLÜCKLICH MACHEN KANN MAN MICH MIT … gutem Essen, Rotwein

MEIN PERFEKTES WOCHENENDE VERBRINGE ICH MIT … Familie, Freunden, meinem PATENKIND

ICH KANN NICHT OHNE … Musik, meinen Laptop

DAS SOLLTE MAN GESEHEN HABEN … die Whiskeyauswahl der BAR

DAS MACHE ICH, WENN KEINER ZUSCHAUT … faul auf der Couch rumliegen

ICH WÜRDE NIEMALS … meine Werte und Moralvorstellungen für Geld hintergehen

ICH LIEBE AN STUTTGART … dass es ist, was es ist

ICH HASSE AN STUTTGART … dass es leider kein Meer gibt 😉

WENN NICHT STUTTGART, DANN … Köln

DAS HABE ICH IMMER IM GEPÄCK … mein iPhone

WENN ICH MORGENS AUFSTEHE, MACH ICH DAS IMMER ZUERST … E-Mails checken

SO KRIEGT MAN MICH RUM … Humor, Charme, einem schönen Lächeln

WENN ICH DIE FREIE WAHL HÄTTE, WÜRDE ICH HEUTE ABENDESSEN MIT … Rachel McAdams

UND ZWAR WO? … in einer schwäbischen Besenwirtschaft 😉

STUTTGART, ICH WOLLTE DIR SCHON IMMER EINMAL SAGEN … Stuggi, du bist krass geil 😉

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