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In der Serie „0711er der Woche“ stellen wir euch jeden Montag einen Stuttgarter vor, den man unter Umständen kennt – und doch nicht so recht kennt. Leute, die unsere Stadt durch ihr Schaffen auf verschiedenste Art bereichern, aber oftmals doch im Hintergrund bleiben. Menschen wie du und ich, die ihren Teil dazu beitragen, dass Stuttgart das ist, was es ist: unsere Stadt, die Mutterstadt. Nachdem wir mit dem jeweiligen 0711er etwas Zeit verbringen, verewigen sie sich in unserem 0711er Buch.


William Kwadwo Junior Owusu. So lautet der vollständige Name unseres 0711er der Woche. Kurz und knackig klingt anders. Deshalb kennt man den 30-Jährigen wohl eher unter seinem Künstlernamen KWADI. Seine Musik vereint sowohl elektronische, als auch soulige Klänge miteinander. Eine Mischung, die beim Publikum ankommt und den Sänger damit zu einem der Newcomer des Kessels macht. Wir trafen den werdenden Papa auf einen Drink im Cube, dem wohl bekanntesten Würfel der Stadt.

Ein Text von Alessandra mit Fotos von Saeed

Im zarten Alter von 10 Jahren zieht Junior (wie Freunde und Familie ihn nennen) von Ghana nach Deutschland. Ohne auch nur ein Wort zu verstehen, geschweige denn zu sprechen, vertreibt er sich die Zeit anfangs erst einmal damit, sämtliche MTV-Musikvideos rauf und runter zu schauen. „Das war schon schwer für mich. In Ghana war ich die meiste Zeit draußen und habe mit Freunden getanzt und gesungen“, erinnert sich der Sänger zurück und fährt fort: „Hier kannte ich erst mal niemanden.“ In der Schule lernt er jedoch nach und nach nicht nur die Sprache, sondern auch neue Freunde kennen. Es dauert nicht lange, bis diese sein musikalisches Talent bemerken und dafür sorgen, dass Junior bei sämtlichen Schulfesten, Weihnachts- und Vereinsfeiern ein Ständchen zum Besten gibt.

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Das mit den Auftritten hat sich mein ganzes Leben lang so durchgezogen.

Als Junior 20 ist, nimmt er spontan – wenn auch nicht ganz freiwillig – bei einem Clubbesuch an einem Gesangswettbewerb teil. „Einer meiner Freunde zerrte mich damals einfach auf die Bühne, ich sang und gewann letztendlich sogar“, erzählt der 30-Jährige. Der Grundstein für Juniors Karriere war gelegt. In den darauffolgenden Monaten schreibt er Texte, organisiert eine Band und nimmt schließlich, gemeinsam mit einer Produzentin, seine ersten Lieder auf. Damals noch unter dem Namen „Junior Owusu“.

Schnell merkt der Sänger, dass er einen Manager braucht, um sich ganz auf seine Musik konzentrieren zu können. Er wird fündig und es geht ohne lang zu schnacken nach „Hamburch“, wo er  DJ Static kennenlernt. „Mit ihm habe ich dann innerhalb von zwei Tagen fünf Songs aufgenommen“, berichtet unser 0711er der Woche. Dabei habe er jeweils unterschiedliche Stile ausprobiert, um zu sehen, wo seine Stärken liegen.

Ich wollte und konnte mich damals aber noch nicht auf einen Stil festlegen, weil mir so viele Stile gefallen haben.

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In Deutschland kommt er schnell auf den Geschmack elektronischer Musik. Eine Stilrichtung, die so gar nicht dem Soul und R’n’B aus seiner Heimat entspricht. „Ich habe immer einen Weg gesucht, beide Welten miteinander zu kombinieren“, erklärt der Sänger. Gerade die Kombination aus Soul und Elektro, sei ihm damals jedoch im Weg gestanden. Denn immer, wenn er kurz vor einem Deal mit einem Plattenlabel steht, heißt es: „Du musst dich auf einen Stil festlegen, um mit deiner Musik erfolgreich zu sein. Beides geht nicht.“

Ich habe mich damals einfach dagegen gewehrt, ich wollte mich noch nicht festlegen oder in eine Richtung gedrängt werden.

2012 nimmt Junior dann beim bigFM-Newcomer des Monats teil, sahnt auch hier den 1. Platz ab und darf anschließend auf dem „Mainz Open Air“ die Show eröffnen. „Ich bin danach in den Bus gestiegen und habe mir gedacht: ‚Ich muss meinen Weg finden, ich muss meinen Stil finden.‘“ Also entscheidet er sich, zurück zu seinen Wurzeln zu gehen und widmet sich dem Soul. „Gemeinsam mit meiner Band habe ich dann meine EP namens ‚My Zone‘ herausgebracht. Die elektronische Welt hat mir jedoch immer gefehlt.“

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2013 baut er sich dann sein eigenes Homestudio, lernt online einen Produzenten aus Oldenburg kennen, der seine Leidenschaft für die Mischung aus Soul und Electronic teilt und nimmt gemeinsam mit ihm ein Album auf. Wie eine solche Sänger-Producer-Fernbeziehung funktioniert? Nicht etwa per Telepathie, wie Junior anfangs scherzt, sondern ganz einfach per Skype. „Das Ergebnis dieser endlosen Skype-Sessions war ein elektronisches Soul-Album, ohne, dass wir uns auch nur einmal gesehen hatten“, erzählt Junior. „Wir haben uns den Ball hin und her geworfen: Er hat mir ein Loop oder Drums geschickt, woraufhin ich ihm meine Vocals geschickt habe, dann hat er weiter gemastered usw.“, erklärt der Sänger.

Wir hatten von Anfang an einen guten Draht zueinander und er wusste komischerweise genau, was ich hören will und andersrum.

Vor acht Monaten geht es dann zurück ins Studio, wo er gemeinsam mit den Stuttgarter ‚Titans‘ seine aktuelle EP „Lost In The Woods“ aufnimmt. Diese bringt nun endlich sowohl Elemente aus Pop und Soul, als auch elektronische Klänge zusammen. Seine erste Single, ‚No Regrets’ stehe dafür, dass er sich und seinem Stil treu bleiben wolle und nur Musik machen wolle, mit der er sich wohlfühle, ganz gleich, ob das bei den Leuten gut ankomme oder nicht, so Junior.

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Seine Musik beschreibt der Künstler selbst als anspruchsvolle, urbane Popmusik mit elektronischen Einflüssen. „Mit den neuen Songs kam auch der Wunsch zu sagen: ‚Ich nenn’ mich um.‘ Und so wurde aus Junior Owusu ‚KWADI‘.“ Der Name ist übrigens eine Abkürzung für seinen afrikanischen Namen „Kwadwo“, was so viel heißt wie „an einem Montag geboren“.

KWADI. No Regrets. Lost In The Woods. Das war für mich ein Paket. Egal ob’s gut ankommt oder nicht.

Anfang diesen Jahres gründet er schließlich sogar sein eigenes Label namens „Urban Uniforms“. Einerseits, um seine Musik so professionell wie möglich zu veröffentlichen und andererseits, um jungen Künstlern eine Plattform zu geben. „Ich lerne immer wieder talentierte Leute kennen, die Musik machen wollen, aber nicht wissen, wohin sie damit gehen sollen. Ich möchte ihnen die Möglichkeit geben, ihre Musik bei mir im Studio aufzunehmen und ihnen meine Erfahrungen mitgeben“, so der 30-Jährige.

Denn Erfahrungen konnte der Mann mit der souligen Stimme in den letzten Jahren reichlich sammeln. Ob auf der Bühne oder im Studio an der Seite von Cro, Danju oder Stickybuds und K+Lab. Den gemeinsamen Track letzterer namens „Clap Your Hands Now“ mit Juniors Vocals, könnt ihr übrigens im Trailer des neuen Spiderman-Streifens hören – wir dürfen also gespannt sein, was da noch kommt. Junior selbst sagt: „Ich werde auf jeden Fall weiter experimentieren und freue mich auf alles, was die Zukunft bringt.“

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Wer den Sänger und sein Ohrwurm-Material gerne mal live erleben möchte, kann KWADIs Klängen beim Afrika Festival am 08. Juli (18:00-19:00 Uhr) am Erwin-Schöttle-Platz oder bei der nächsten KUNSCHT-Vernissage (am 20. Juli in Stuttgart) lauschen.

Bleibt uns nur noch eines zu sagen: Lieber Junior, wir hoffen, dass du auch weiterhin den richtigen Ton triffst und du in den nächsten Wochen und Monaten, neben dem Singen von Schlafliedern auch noch dazu kommst, feinsten Elektro-Soul für uns zu kreieren.

KWADI @ HOME
KWADI @ Soundcloud
KWADI @ Spotify

NAME … KWADI – ALTER … 30

HERKUNFT … Ghana – STADTTEIL Wendlingen am Neckar

WAS ICH SO MACHE … Electronic Soul / Pop

MEIN LIEBLINGSORT IN STUTTGART IST … der Schlossplatz

GLÜCKLICH MACHEN KANN MAN MICH MIT… Einem Cocktail und geiler Musik

MEIN PERFEKTES WOCHENENDE VERBRINGE ICH MIT … Familie, Freunden und Musik

ICH KANN NICHT OHNE … Singen und tanzen

DAS SOLLTE MAN GESEHEN HABEN … Mich 😉

DAS MACHE ICH, WENN KEINER ZUSCHAUT … Singen und tanzen 

ICH WÜRDE NIEMALS … Schlager singen

ICH LIEBE AN STUTTGART … das Modebewusstsein der Leute und der lockere Umgang miteinander (zumindest meistens :))

ICH HASSE AN STUTTGART … dass es nicht ausreichend live Locations gibt

WENN NICHT STUTTGART, DANN … New York

DAS HABE ICH IMMER IM GEPÄCK … Kopfhörer

WENN ICH MORGENS AUFSTEHEN, MACHE ICH DAS IMMER ZUERST … Duschen und singen

SO KRIEGT MAN MICH RUM … Mit Coolness und Zuverlässigkeit

WENN ICH DIE FREIE WAHL HÄTTE, WÜRDE ICH HEUTE ABENDESSEN MIT … Pharrell Williams

UND ZWAR WO? … Im Cube in Stuttgart

STUTTGART, ICH WOLLTE DIR SCHON IMMER EINMAL SAGEN … Lasst uns unsere Diamanten schleifen und polieren!

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