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In der Serie „0711er der Woche“ stellen wir euch jeden Montag einen Stuttgarter vor, den man unter Umständen kennt – und doch nicht so recht kennt. Leute, die unsere Stadt durch ihr Schaffen auf verschiedenste Art bereichern, aber oftmals doch im Hintergrund bleiben. Menschen wie du und ich, die ihren Teil dazu beitragen, dass Stuttgart das ist, was es ist: unsere Stadt, die Mutterstadt. Nachdem wir mit dem jeweiligen 0711er etwas Zeit verbringen, verewigen sie sich in unserem 0711er Buch.


Wer nichts wird, wird Wirt. Da hat der Volksmund gesprochen ohne Nina und Moritz Holzapfel zu kennen. Für ein 0711er-Doppelpack haben wir uns mit dem Geschwisterpaar in dem Café getroffen, das ihren Namen trägt. In Teil 1 erzählen wir euch nicht nur, wie es zu der grünen Oase im Fluxus kam, sondern auch von Schwester Holzapfels Ausflug ins Showbiz, dem Durchstarten in der Modewelt und dem Austesten des Kontrastprogramms, called IT-Branche. Ob es nun an den 30°C im Nacken oder doch an Ninas Erzählungen über die rührende Geschwisterbeziehung lag, das Plauderstündchen im Café Holzapfel war zum dahinschmelzen.

Ein Text von Carina mit Fotos von Saeed

In der grünen Idylle namens Breitenstein, einem tausend Seelendorf nahe Stuttgart, erlebte Nina eine glückliche und behütete Kindheit. Doch schon in jungen Teenie-Jahren wurde es ihr auf dem Land zu öde. Das Mädchen mit mal pinken und mal blauen Haaren passte einfach besser in eine urbane Kulisse. Deshalb schlenderte sie auf ihren überhohen Buffalos auch lieber durch die Straßen Stuttgarts als über Feldwege.
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Kaum hatte sie ihr Abi in der Tasche, waren Stuttgart und selbst Deutschland nicht mehr genug. Nina wollte über den Kesselrand schauen und jobbte ein halbes Jahr in einem Hotel auf Ibiza. Die Theater AG hatte bereits zu Schulzeiten eine Akteurin aus ihr gemacht und so fand sie sich auf den Brettern, die die Urlaubswelt bedeuten wieder. Sie mischte bei den Abendshows mit und trat in Musicals oder Mini Playback Shows auf. Natürlich hielt sich unsere 0711erin auch an das Ibiza Mantra „nach der Party ist vor der Party” und huschte nach den Hotelshows nicht direkt ins Bett, sondern feierte bis zum Morgengrauen. Der Bürodienst, welcher nur ein paar Stunden später anfing, wurde zwar angetreten, endete aber ziemlich schnell in einem Nickerchen auf dem Schreibtisch.

Mein Chef kam dann auch öfters mal zum falschen Zeitpunkt und hat mich erwischt. Das bescherte mir dann ein peinliches Vorsprechen beim Hotel Direktor.

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Wieder zurück im wahren Leben und in Stuttgart stand Nina nun vor der Entscheidung, welches Studium sie antreten soll. Die Richtung war eigentlich schon klar. Während des Abiturs hatte sie bereits erste Arbeitserfahrung in Modeboutiquen gesammelt und sehr viel Spaß daran gefunden. Dazu kam die Stimme ihrer Lehrerin, die immer wieder beteuerte, „Nina du musst unbedingt was mit Mode machen!“ Auch Mama und Papa Holzapfel waren nicht ganz unbeteiligt an der letztendlichen Entscheidung, Modedesign zu studieren.

Mode hat mich eigentlich schon immer total interessiert. Meine Eltern sind sehr modebewusst und so waren wir schon in frühen Kindertagen immer sehr en vogue gekleidet.

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Die Modeliebhaberin meisterte ihr Studium zwar mit Bravur, hangelte sich anschließend aber dennoch von Praktikum zu Praktikum. Nach der bitteren Erkenntnis, dass man in der Branche trotz gutem Abschluss als billige Arbeitskraft missbraucht werden kann, wagte sich unsere 0711erin an ein zweites Studium. Dieses Mal sollte es BWL mit Schwerpunkt Vertrieb und Marketing sein. Dazu kehrte Nina unserer Mutterstadt erneut den Rücken und zog nach Furtwangen. Der Schwarzwald sollte es sein, denn Nina ist eine leidenschaftliche Snowboarderin und konnte somit das Beste aus den Wintern machen.

Mit dem neuen Studium wagte sich Nina auch auf ein neues Terrain. In ihrem Praxissemester entdeckte sie den “Techie” in sich und startete bei IBM durch.

Ich dachte einfach ‘Hey ich hab jetzt alles mit Mode schon gemacht. Ich möchte mal was ganz Neues kennenlernen, in eine andere Branche reinschnuppern’.
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Natürlich ist Nina die Lust an der Mode trotzdem nie vergangen und so zeigte sie den konservativen Kollegen, was man aus einem Casual Friday alles rausholen kann. Die IBMler freuten sich über den frischen Wind im Vertrieb und lobten Ninas Arbeit, sodass sie ihr auch nach ihrem Studium einen Job anboten.

Es war wirklich cool und hat auch viel Spaß gemacht, aber das hätte mich einfach auf Dauer nicht glücklich gemacht.

Nina wollte wieder zurück in ihren Heimatmarkt. Nach IBM Feierabend stand sie deshalb in einem Snowboard und Skate Shop am Counter und genoss es wieder von coolen Brands umgeben zu sein. Ein wenig später flatterte ein verlockendes Jobangebot herein. Burton, der weltweit größte Snowboardhersteller, fragte an, ob Nina den Vertrieb für Süddeutschland übernehmen möchte. Ein paar Mal drüber geschlafen und sich dann gedacht, „Why not?“ sagte Nina zu und gründete eine Agentur. Jobbedingt brach sie deshalb ihre Zelte in Stuttgart ab und baute neue in München auf.
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Das waren wirklich coole Jahre in München. Ich war immer mit der Burton Mannschaft snowboarden und hab auch sonst viele tolle Menschen kennengelernt, aber irgendwann hat es mich dann einfach wieder zurück nach Stuttgart gezogen.

Ein Grund für die Heimkehr war auch das Vermissen des kleinen Bruders und der Familie. Weshalb sich Nina über die doppelte Dosis Moritz freute, denn ab sofort wohnten und arbeiteten sie zusammen. Die Wieder- Stuttgarterin stieg in die bereits bestehende Modeagentur des kleinen Bruders ein und zusammen führten sie skandinavische Streetwear und Fashion Labels wie Samsøe & Samsøe, Revolution und Minimum. In ihren Showroom kehrten auch neue Brands ein, die niemand so richtig kannte und welche die beiden gemeinsam aufbauten und formten.

Das ist einerseits richtig geil und macht echt viel Spaß, andererseits ist es auch mega anstrengend. Irgendwann hatte ich keine Energie mehr und fühlte mich einfach nur ausgelaugt.

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Also gönnte sich Nina eine Auszeit. Doch nach ein, zwei Monaten wurde das langweilig und sie begann als 450€-Jobberin im Café Bohème zu arbeiten. Mit der Gastro betrat unsere Lebenskünstlerin wieder mal Neuland und sie war direkt Feuer und Flamme. Im Café Bohème stand sie am Tresen, bis es seine Pforten schloss. Als man sich auf die Fläche bewerben konnte, zögerten Nina und Moritz nicht lange und reichten ein Konzept ein. Sie stellten ihre Vorstellungen von Design und Atmosphäre in einem Pitch vor und siehe da, sie fuhren den Sieg ein.

Mein Bruder wollte das eigentlich schon immer machen. Es war immer sein Traum, eine eigene Bar zu haben. Bei mir kam das erst nach und nach. Wir hatten schon immer ein sehr, sehr enges Verhältnis, aber unsere Zusammenarbeit in der Agentur hat uns noch mal viel stärker zusammen geschweißt. Wir haben richtig gemerkt, dass wir uns prima ergänzen. Wir sind einerseits total gleich und andererseits auch total verschieden. Aber wir schauen immer in die gleiche Richtung.

Diesen Einklang haben die beiden auch beim stressigen Umbau nicht verloren. Sie sprühten vor Ideen und ernteten immer gegenseitig Beifall. So bauten sie sich ihr neues Reich Schritt für Schritt gemeinsam auf. Um das Interior-Konzept des Holzapfels zum Leben zu erwecken, durchforsteten Nina und Moritz tagtäglich Ebay Kleinanzeigen nach den passenden Möbelstücken.

Wir waren süchtig nach Ebay Kleinanzeigen. Es war das erste am Morgen und das letzte am Abend was wir gecheckt haben. Wir waren einfach immer auf der Suche nach neuen Möbeln, die in unser Konzept passen.

Abgeholt wurden alle guten Stücke dann mit Moritz‘ Golf aka „The Transporter“. Ob Stühle, Tische oder gar ein Sofa. Nina und Moritz haben den Kleinwagen solange präpariert, bis alles reinpasste. Bei diesen Familienausflügen der besonderen Art durfte natürlich auch Hündin Milki nicht fehlen. Und so traten sie die Heimfahrt an, Moritz lag zusammen gekauert im Fußraum, Milki thronte auf den Möbeln und Nina schickte am Steuer immer wieder kurze Stoßgebete, die alle Blaulichter fernhalten sollten.
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Der Ebay-Kleinanzeigen-Sucht sei Dank hatten die Holzapfels alle Einrichtungsgegenstände schon beisammen, bevor der Umbau losging. Stressersparnis auf der einen– Platzprobleme auf der anderen Seite. So verwandelte sich ihre WG in ein Meer von Möbelstücken.

Wir mussten eben alle Möbel zuhause zwischenlagern. Es war richtig angenehm, um die Weihnachtszeit eine vollgestellte Wohnung zu haben. Egal wohin du dich bewegen wolltest, erst mal musstest du einen gewaltigen Hindernisparcours meistern. Aber rückblickend muss ich sagen, das war schon alles ganz witzig.

Auch den Umbau stemmten Nina und Moritz selbst. Mit ein paar guten Freunden an ihrer Seite wurde tagsüber gemeinsam gestrichen, verputzt und geputzt. Abends fanden dann, inmitten dieser Baustelle, Weinproben statt. Aus ein paar Tischen war schnell eine lange Tafel gebaut, der Raum wurde mit Kerzen ausgeschmückt und anschließend verschiedene Weine ausprobiert. Um mit ihrer Auswahl jeden Geschmack zu treffen, gab es ein ausgeklügeltes Bewertungssystem.
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Wir haben es uns einfach nett gemacht und hatten trotz Umbaustress eine wirklich schöne Zeit. Ich wüsste keinen Moment, in dem Moritz und ich uns mal uneinig waren oder wir uns gestritten haben, obwohl wir so unter Strom standen.

Hut ab, wenn man bedenkt, dass die beiden zusammen gewohnt, gearbeitet und den gleichen Freundeskreis getroffen haben. Aber die Geschwister Holzapfel waren schon von Kindestagen an ein eingespieltes Team. Die 18-jährige Nina kam auf Partys immer in Begleitung ihres vier Jahre jüngeren Bruders. Und auch heute sagt sie „mein Bruder ist mein bester Freund“. Nina, als die organsiertere der beiden, muss zwar ab und zu mit den Augen rollen, aber kann ihrem kleinen Bruder nie böse sein.

Moritz hat so viel Charme und Witz und diese Art mitreißend zu sein, das wiegt alles, was er verrafft wieder auf.

Nina geht ganz auf in ihrer Rolle als Gastronomin. Sie war schon früher ein Fan des Fluxus Konzepts und seitdem sie dort auch ihr eigenes Lokal hat, genießt sie den Spirit der Passage nur noch mehr. Sie schwärmt von der tollen Gemeinschaft und dem Vertrauen unter den Nachbarn. Ihren Arbeitsplatz beschreibt sie als Insel, mitten in der Stadt. Der Holzapfel soll für die Gäste ein Ort der Entschleunigung und Entspannung sein. Deshalb war es dem Geschwisterpaar auch so wichtig, viele Pflanzen zu platzieren, um damit eine Wohlfühlatmosphäre zu schaffen.
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Manche Gäste kommen morgens um 10 Uhr und wenn ich dann abends gehe, sitzen sie immer noch hier. Das finde ich schon was Schönes. Es freut mich einfach, wenn ich merke, dass die Gäste sich wohl fühlen.

Deshalb ist Ninas Einstellungskriterium Nummer eins auch, dass die Mitarbeiter einfach nett und freundlich sind. Die Gäste sollen sich in ihrer grünen Oase gut aufgehoben fühlen. Da sie Unannehmlichkeiten mit Gästen an einer Hand abzählen kann, klappt das mit dem guten Service wohl sehr gut. Also Props an das Bar-Team.

Wie es nach der Zeit im Fluxus weitergeht, weiß Nina noch nicht. Im Moment genießt sie einfach den Spaß bei der Arbeit und mit ihrem Team.

Ich versuch’ mich da nicht so verrückt zu machen. Es bringt ja nichts. Du weißt es halt nie. Ich hab schon so viel in meinem Leben gemacht und wenn ich eins gelernt habe dann, dass irgendwo immer ein Türchen aufgeht. Manchmal dauert es zwar ein bisschen, aber im Endeffekt kommt es so, wie es kommen soll.
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Liebe Nina, du bist eine Lebenskünstlerin sondergleichen. Wir wünschen dir noch viele weitere Türchen, die sich öffnen und sind gespannt, womit uns das Holzapfel-Duo in Zukunft überraschen wird. Behalte dir deine lebensfrohe, herzliche und furchtlose Art und kredenze uns weiterhin Leckereien auf eurer Insel, mitten in der Stadt.

Nächste Woche stellen wir euch Moritz als 0711er der Woche vor!

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NAME … Nina Valeska Holzapfel  – ALTER … 36

HERKUNFT … Stuttgart – STADTTEIL …  der sonnige Süden

WAS ICH SO MACH’ … das Team Handsome in der schönen Holzapfel Cafe Bar im Fluxus ärgern

MEIN LIEBLINGSORT IN STUTTGART IST … meine Couch zu Hause

GLÜCKLICH MACHEN KANN MAN MICH MIT … Spaghetti Napoli

MEIN PERFEKTES WOCHENENDE VERBRINGE ICH MIT … meinen Liebsten, verkatert und kuschelnd auf der Couch

ICH KANN NICHT OHNE … Lippenstift

DAS SOLLTE MAN GESEHEN HABEN … die morgendliche Übernahme meines Bettes durch meinen Hund Milki

DAS MACHE ICH, WENN KEINER ZUSCHAUT … Jogginghosen tragen

ICH WÜRDE NIEMALS … in eine Badewanne voll Münzen liegen – pfui

ICH LIEBE AN STUTTGART … überall ein bekanntes Gesicht zu sehen

ICH HASSE AN STUTTGART … nicht einfach in einen schönen See oder Fluss springen zu können

WENN NICHT STUTTGART, DANN … NYC

DAS HABE ICH IMMER IM GEPÄCK … eine Auswahl an Mac Lippenstiften

WENN ICH MORGENS AUFSTEHE, MACH ICH DAS IMMER ZUERST … mit Milki kuscheln

SO KRIEGT MAN MICH RUM … mit intelligenter Kindsköpfigkeit

WENN ICH DIE FREIE WAHL HÄTTE, WÜRDE ICH HEUTE ABENDESSEN MIT … meinen Liebsten

UND ZWAR WO? … Il Pomodoro Filderstrasse – whoop whoop

STUTTGART, ICH WOLLTE DIR SCHON IMMER EINMAL SAGEN … Bitte mach ganz schnell das Bad Berg wieder auf!

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