titelbildAuf seinen Expeditionen durch die Metropolen dieser Welt hat Fotograf Andreas Brücker schon so manches Schmuckstück im Betondschungel entdeckt und mit seiner Kamera eingefangen. So auch auf seinen Streifzügen durch São Paulo, Rio de Janeiro und Salvador de Bahia. Wer einen Blick auf seine Werke erhaschen möchte, sollte sich schleunigst auf den Weg ins Holzapfel machen.


Seine Schwäche für außergewöhnliche Perspektiven und große Städte führte den 28-Jährigen im vergangenen Jahr mehr als einmal in schwindelerregende Höhen. Denn wenn man den Fotografen fragt, gleichen die Dächer geschäftiger Großstädte kleinen Oasen. Kein Wunder also, dass der Weltenbummler irgendwann beschloss, urbane Räume aus der Vogelperspektive unter die Linse zu nehmen.

Ein Text von Alessandra mit Fotos von Andreas

Das Ergebnis? Könnt ihr sehen! Bis zum 20. Dezember stellt der Wahl-Stuttgarter seine imposanten Impressionen im Holzapfel in der Calwer Passage aus. Seine Bilder bewegen sich irgendwo zwischen urbaner Exploration und architektonischen Mustern des jeweiligen Städtebilds. Manch einer würde diese Perspektiven glatt übersehen, andere niemals zu Gesicht bekommen.andreas_bruecker3

Lichtblicke im Großstadtdschungel
„Viele sehen solche Megacities als aufdringliche und hässliche Orte, aber ich glaube, dass es auch hier viel Schönheit und Ruhe gibt. Man muss nur die richtigen Ecken finden“, weiß der 28-Jährige. Bei seinen Bildern legt er deshalb besonders großen Wert darauf, dass diese sein Verständnis von Großstädten widerspiegeln und die Ecken und Kanten abseits des 0815 Tourismus zeigen.

Um besondere Motive zu finden, nimmt er daher oft große Mühen auf sich. Dabei sei es gerade in einem Land wie Brasilien bei Weitem kein Kinderspiel, mal eben auf das Dach eines Wolkenkratzers zu klettern, um dort ein Foto zu knipsen, verrät Andreas. Denn die Sicherheitsbestimmungen rund um Copacabana und Co. sind aufgrund der hohen Kriminalitätsrate extrem hoch. Trotz allem steht für ihn fest: „Für mich gehen das Entdecken von ungewöhnlichen Orten und das Fotografieren aber meistens Hand in Hand. Fotografieren ist in solchen Städten immer ein Erlebnis, das auch mit bestimmten Risiken kommt, aber die sind es mir wert.“andreas_bruecker1

Denn wenn man es erst einmal geschafft habe, sich elegant am Security-Personal vorbeizuschlängeln, werde man, oben angekommen, mit einer 360 Grad Perspektive par excellence belohnt, versichert uns nicht nur Andreas, sondern auch seine Bilder.

Das kann schon krass surreal wirken.

Hoch – höher – am höchsten
Die Städte und Motive wählt der gebürtige Tübinger nach dem Prinzip der „Suche nach Maximen“ aus. „Je größer und dichter gebaut, desto besser“, so der Fotograf. Außerdem, verrät er uns, bereise er lieber Entwicklungs- als Industrieländer: „Dort erlebt man einfach mehr – von der aktuellen politischen oder gesellschaftlichen Lage lasse ich mich weniger beeinflussen. Klar gibt es Städte, die gefährlicher sind als andere, aber im Endeffekt kann man auch damit umgehen. Man sollte sich nur immer bewusst sein, wo man gerade ist und wie man sich zu verhalten hat.“

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Eines seiner Lieblingsexemplare ist #2 Sao Paulo. Zum einen, weil ihm die Komposition und die Stimmung gefällt und zum anderen, weil er eine lustige Geschichte damit verbindet:

Das Bild ist auf dem Edifíco Itália im 41. Stock entstanden. Auf dem Dach des Gebäudes befindet sich ein exklusives Restaurant. Ich hatte dort meine Kamera außerhalb des Sicherheitsgeländers platziert, um eine Zeitraffer-Aufnahme zu machen. Kurz vor Sonnenuntergang bemerkte mich der Mann des Sicherheitsdiensts und wies mich höflich darauf hin, dies zu unterlassen. Da es aber wirklich kurz vor Sonnenuntergang war und ich die Serie nicht abbrechen wollte, versuchte ich ihn in ein Gespräch zu verwickeln und fragte ihn einige banale Fragen. Nach 20 Minuten verlor er aber die Geduld und schmiss mich endgültig raus. Leider noch vor Einbruch der Dunkelheit, aber die Diskussion war es wert.

Dem bleibt nichts hinzuzufügen, lieber Andreas. Wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg beim Diskutieren, Fotografieren und Kuratieren und freuen uns schon auf eine neue Reihe voll ungewöhnlicher City-Perspektiven.

Hier geht’s zum virtuellen Zuhause von Andreas Bildern.

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