IMG_1883 - Jakob DewaldTereza gehört im männlich dominierten Metier der DJs als Frau zur einer Seltenheit – sie ist sozusagen ein Einhorn der deutschen Aufleger-Szene. Doch wollen wir hier weder über seltene Spezies philosophieren, noch eine Gender-Diskussion entfachen. Bei uns dreht sich alles um die Musik! Und da beweist die gute Tereza einen Erste-Sahne-Taste. Wir haben Tereza, die am Samstag im Freund & Kupferstecher auflegt, ein paar ernste und ein paar weniger ernste – eben „Fragen über Fragen“ gestellt. Los geht’s!

Ein Beitrag von Marcel Schlegel


Dein Soundtrack 2016: Lieber Dexters „Random Files“ oder Fid Mellas „Å?  – Perfekter Einstieg, bei der ersten Frage schon überfragt (lacht). Wenn ich mich für Fid Mella entscheide, habe ich gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, weil Dexy das Mischen/Mastern übernommen hat 🙂 – <3 für die beiden.

Gab es für dich in 2016 einen absoluten Lieblingstrack?Ich bin schon sehr viel länger großer „Lil Silva“-Fan, aber 2016 hat er mir mit den beiden Releases „Jimi“ und „V1/Cyrup“ noch mal bewiesen, warum das so ist: Er ist innovativ, musikalisch vielseitig und trifft genau meinen Geschmack, deshalb Lil Silva – „Lines“.

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Wer oder was hat dich im vergangenen Jahr am meisten überrascht?Um in der Musik zu bleiben und ganz spontan: Childish Gambino. Mir war vorher schon klar, was er für ein multitalentiertes Genie ist, aber mit Hits wie „Redbone“ und dem gesamten Album „Awaken, My Love!“ hat er das nochmals zementiert.

Gab’s einen schönsten Moment oder einen tollsten Gig in 2016?2016 war für mich als DJ eines der aufregendsten Jahre: Mein Festivalsommer mit Sets unter anderem bei der Fusion, Melt!, MS Dockville, Spektrum, splash!, Kosmonaut war unfassbar – die Crowd, die Energie, das Feedback, immer noch Gänsehaut, wenn ich daran zurückdenke. Dann natürlich mein Warm-Up-Set für Skepta im Berghain – der Sound da ist atemberaubend und das Erlebnis insgesamt einmalig. Und nicht zuletzt: Die WATERS wurde in Stuttgart und in Hamburg ins Leben gerufen, und ist nach Berlin sowie München expandiert. Viele schöne Erinnerungen habe ich in dem Zusammenhang, natürlich auch weil ich da ganz anders involviert bin. Ich mache vieles selbst: Künstler aussuchen, buchen, betreuen, Farbkonzept für die Grafik (s/o an Robin Treier, der da tatkräftig anpackt! ).

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„Fly sein“ – oder doch was anderes: Was war dein Lieblingswort im letzten Jahr?Diese Frage ist unangenehm BELASTEND für mich. 😉

Am Samstag bist du wieder in der Stadt. Was verbindest du mit Stuttgart und den Schwaben allgemein? – Viel Liebe! Ich habe für ein Praktikum eine Zeit lang hier gewohnt und war danach auch abseits des DJ-Daseins sehr oft da, deshalb fühlt es sich immer sehr heimisch an, wenn ich nach Stuttgart komme. Einige meiner engsten Freunde sind Schwaben und klar – allein schon wegen dem „Kupfi“ bin ich sehr gern hier. Und natürlich das Essen, für gute Spätzle würde ich sehr viel geben. Mit Maultauschen kann man mich allerdings jagen. 🙂

Tereza ist am Samstag übrigens im Freund & Kupferstecher – im Rahmen der WATERS Pt. 7 – zum Event!

Eine Stunde mit Merkel über Musik sprechen oder dann doch lieber von Seehofer die Schönheit Bayerns erklärt bekommen? Definitiv eine Stunde mit Merkel sprechen. Man mag von ihren politischen Positionen und ihrer Partei halten, was man will, aber ich bin neugierig und habe großen Respekt vor dem, was sie macht.

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Das Jahr ist noch jung. Auf was freust du dich in 2017? – Ganz aktuell kommt in zwei Wochen ein neues Mixtape von mir, unter anderem mit Stuttgarter Beteiligung – Hi, Dexy! Außerdem liegen da noch zwei, drei andere Ideen in der Schublade. Und um aus dem privaten Nähkästchen zu plaudern: das Ende meines Studiums.

Wofür gibst du zu viel Geld aus? – Musik. In Zeiten von Streaming-Angeboten könnte man das theoretisch runterschrauben, aber dieses nerdige Gefühl, die Musik, die man so sehr mag, auch wirklich besitzen zu müssen – ob physisch oder digital – hält mich vom Geldsparen ab. Wäre sicher auch die falsche Ecke. 🙂

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Womit kann man dich glücklich machen? – Außer Musik: mit Meer, Sonne und Sonnenblumen – auch unabhängig voneinander.

Mit wem würdest du gerne mal tauschen? – Mit einem Weltenbummler, ich reise zwar auch sehr viel, zunehmend international, aber so richtig viel – außer Flughäfen, Hotelzimmer, Restaurants, dem Weg von der Venue und wieder zurück und manchmal noch typische Touri-Sachen – sieht man dabei nicht. Ich glaube, es gibt so viele schöne Ecken, die ich mir nicht mal annähernd vorstellen kann.

Sag’ uns etwas, von dem du wirklich keinen Plan hast? – Quantenphysik.

Was nervt dich gerade so richtig? – Der politische Rechtsruck in vielen Ländern,  die damit verbundenen Facebook-Debatten und die Endzeitstimmung.

Welche Platte oder welcher Musiker läuft bei Dir und es ist Dir peinlich, das zuzugeben? – Märchenschallplatten an Weihnachten 🙂

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Was war das beste Konzert, das du als Zuschauer je besucht hast? – Man würde es wahrscheinlich nicht vermuten, aber ich bin gar nicht so ein großer Konzert-Fan.

Woher holst du Dir deine musikalische Inspiration? – Die Hauptinspirationsquelle ist meine Neugier. Ich glaube, das beschreibt es am Besten. Ich durchforste Soundcloud nach neuen innovativen Produzenten, Blogs für neue Releases, suche in Plattenläden nach Obskurem. Ich will Sachen auf den Grund gehen – woher kommt das Sample? Wie ist „Genre XY“ entstanden? Daraus entwickelt sich dann zum Teil eine temporäre Vorliebe für irgendeinen Sound, der dann vielleicht auch etwas mehr Gewicht in meinen Sets einnimmt, aber generell versuche ich mein Publikum immer eher auf eine Reise mitzunehmen, überraschend und abwechslungsreich zu sein und meinen musikalischen Horizont zu vermitteln.

0A5A8955-2 - Linda Ambrosius

Was war dein Lieblings-Spielzeug als Kind? – Sehr leicht zu beantworten: alles, auf dem LEGO drauf steht: Eisenbahn, Drachenburg, Unterwasserstation, Indianerzelte. Mein Kinderzimmer war voll mit LEGO-Sachen, nicht immer angenehm, wenn man barfuß im Dunkeln irgendetwas gesucht hat. 😉

Welche Serie hat dich geflashed? – Ich bin wahrscheinlich der letzte Mensch der Welt, der kein Netflix hat und überhaupt nicht auf dieses Serien-Business flasht.

Was wollten deine Eltern immer, dass du später mal wirst?Zum Glück habe ich dahingehend nie Vorgaben bekommen und immer alle Freiheiten in meinen Entscheidungen.

Zum Schluss hast du die Gelegenheit, einen DJ-Kollegen/in zu loben! – s/o an alle, die ihr Ding machen.

Marcel Schlegel
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Schreibt viel und immer mit zwei Fingern. Mal über dies, mal mehr über das. Stärke: die Kommasetzung. Punkt. Ein Werdegang in Linkform – hier: http://bit.ly/2ajtdCU

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