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Dennis Da Menace hat eine neue Platte in der Pipeline. „Geerdet“ wird das Ding voraussichtlich heißen und erneut namhafte Producer featuren. Wir haben den Rapper in Heilbronn besucht und uns ein Bierchen am Neckar und den ein oder anderen Sauerkraut-Speck-Wecken gegönnt. Übertrieben lecker! Achso, viel Spaß mit dem Interview.

Ein Interview von Marcel mit Fotos von Jaydee


Von wegen „Heilbronx“. Heilbronn ist schöner als sein Ruf. Zumindest zeigt sich das schwäbische Städtchen am Neckar-Ufer von seiner besten Seite. Heilbronn bezeichnet sich selbst als Musikstadt. Das passt. Denn gerade in Sachen Hip-Hop muss man die Stadt im Norden Baden-Württembergs seit einigen Jahren auf dem Schirm haben. Das liegt zum einen am Label „Wortsport“, das in Heilbronn beheimatet ist. Zum anderen hat die 120 000-Einwohner-Stadt den ein oder anderen Künstler herausgebracht, den man längst auch über die Grenzen Baden-Württembergs hinaus kennt. Allen voran Producer Dexter, der mittlerweile in Stuttgart lebt, aber auch die Rapper Jacques Shure oder Waldo The Funk nennen Heilbronn ihre Basis. Und dann ist da noch Dennis. Dennis Da Menace.

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DENNIS DA MENACE: „Die Szene hat hier immer schon bestanden, sie existierte früher eben etwas mehr abgekapselt vom Rest Deutschlands. Hip-Hop fand im Jugendzentrum oder bei Kumpels statt. Man hat gerappt, gebreakt, es entwickelten sich Freundeskreise und daraus entstanden Crews. Ich glaube, dass sich das in den letzten Jahren zurückgegangen ist. Ich glaube vielmehr, dass in den vergangenen Jahren mehr ein deutschlandweites Netzwerk entstanden ist.“

 

DENNIS DA MENACE @ FACEBOOK

DENNIS DA MENACE @ SOUNDCLOUD

DENNIS DA MENACE @ QUINTESSENZ

 

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Manche Leute seien weggezogen, andere dazu gekommen. Manche Crews hätten sich aufgelöst, aus Rappern seien Familienväter geworden. Wieder andere ersetzten das Hobby Rap durch den Job. Der Lauf der Dinge eben, sagt Dennis, der ursprünglich aus der Salzstadt Bad Friedrichshall stammt. Gerade durch Dexter seien die Connections gewachsen: nach Leipzig, nach Berlin, nach Köln …

 

Die digitale Entwicklung macht den Austausch eben auch sehr viel leichter. Man trifft auf Gleichgesinnte und connected.

 

Dieses Netzwerk bemerkt man, wenn man sich Dennis erstes Album, „Quintessenz“ zu Gemüte führt, das neben eigenen Beats und Raps mit Beiträgen von befreundeten Beatmachern und Rappern wie Suff Daddy, Maniac, V.Raeter, Beatvadda, „Dexy“ und weiteren aufwartet. Doch bevor Dennis, der beruflich Lehrer ist, 2011 jedoch seine erste Platte auf den Markt bringen konnte, mussten noch einige Jahre ins Land gehen. „Das war ein sich verselbstständigter Prozess, eine Entwicklung, deren ,Quintessenz’ dann irgendwann das Album war“, sagt „Da Menace“. Mit 16 habe er damit angefangen, zu freestylen …

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D: „Mit knapp 18 müsste ich meinen ersten Text geschrieben haben, damals noch über ein Ami-Instrumental. Ich erinnere mich noch gut daran, das Ding hieß ,Degen und Schild’. Wir sind zusammen abgehangen und haben uns gegenseitig gepusht. Der eine schrieb einen Part und man dachte sich: ,Da muss ich nachlegen’ – und so ging es weiter und weiter und man wurde immer besser. Es gab quasi Nacht- und Nebel-Cypher. Wir pickten uns Beats und nahmen Rücken an Rücken auf, während der Rest auf dem Sofa chillte. Das fehlt mir heute ein bisschen. Man trifft sich nicht mehr so oft, sondern tauscht sich übers Internet aus. Ein bisschen von diesem Vibe von früher ist verloren gegangen. Das war ein Vibe, der gute Ideen produzierte.“

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Unter dem Pseudonym „Plastic Surgeon“ – der Kerl, der metaphorisch gesprochen die Platten zerschnippelt – baut Dennis seit vielen Jahren auch selbst Beats. Dennoch war es ihm wichtig, auf seinem Debüt-Album viele befreundete Produzenten zu haben. Leute, die er schätze und von denen er wisse, dass deren Sound hervorragend auf seine eigene LP passen würde.

 

Das sind alles supergute Jungs – Producer, die ich als ,true to the art’ bezeichnen würde.

 

Gerade auch die Kölner um den Retrogott, Hulk Hodn oder Entourage-Kopf Pütz kenne er schon ewig. Und über den “Retrodios” kam der Kontakt zum chilenischen Producer Brous One zustande, mit dem Dennis Da Menace 2013 die EP „Bombentest“ veröffentlichte. Ein Brett. Um vor dem Referendariat nochmals sein Spanisch aufzufrischen und andererseits mit Brous Musik machen zu können, zog Dennis für sechs Monate zu Eduardo, der damals noch in Santiago De Chile wohnte – und lebte südamerikanische Hip-Hop-Kultur hautnah.

 

INTERVIEW @ BROUS ONE

INTERVIEW @ DEXTER

INTERVIEW @ RETROGOTT

 

D: „Das war eine beeindruckende Zeit. Hip-Hop ist dort anders als hier. Vielleicht ein Stück weit ehrlicher. Ich war zwar nie im New York von Mitte der 90er, aber genauso stelle ich mir das vor. Überall Leute mit Cans, Crews mit PVC-Matten, Frauen und Männer fast gleichermaßen. Ich war in meinem ganzen Leben nicht in so vielen Freestyle-Sessions wie damals bei Eduardo in Chile. Einen besseren Sprachkurs kann man nicht bekommen.“

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Einmal, an einem Abend, als die Jungs in den Bergen Santiagos, gut angeheitert, ein Video für einen Song aufnehmen wollten, wurden sie von den Cops überrascht.

D: „Wir waren extra ins Gebirge gefahren und plötzlich blenden uns diese Scheinwerfer eines Polizeiwagens. Wir sind nur noch über spitze Steine abgehauen – mit der Flasche ,Pisco’ in der Hand. Das werde ich nie vergessen. Es war einfach eine super Zeit. Ich habe extrem viel mitgenommen.“

Für Dennis Da Menace, der Englisch und Spanisch an einer Gesamtschule unterrichtet, war Rappen und Beatbauen schon immer mehr Hobby als Beruf.

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D: „Das macht mich frei. Ich bin finanziell nicht auf meine Musik angewiesen, ich muss keinem Trend hinterher rennen, sondern kann mein Ding machen. Aber natürlich muss ich schon ein bisschen aufpassen, was ich als Lehrer in meinen Texten sage. Eine Einschränkung sehe ich darin jedoch nicht. Ich möchte andere Rapper auch gar nicht beschimpfen. Wenn ich jemanden disse, dann so, dass er das vielleicht gar nicht mitbekommt – zwischen den Zeilen. Das finde ich ohnehin viel kreativer und intelligenter.“

Diese Einstellung habe er schon zu eigenen Schulzeiten entwickelt. „Ich war immer schon der Pausenclown und der kreative Dude in der Schule“, sagt er. Zu Schulzeiten sei er noch etwas fülliger gewesen und Klassenkameraden hätten versucht, ihn deswegen zu veräppeln. Doch nicht mit „Da Menace“. Denn schon auf dem Schulhof habe er kleine Fights stets verbal ausgetragen.

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D: „Das war meine Möglichkeit, den Spieß umzudrehen. Ich habe immer schon meine Witzchen gerissen und andere imitiert. Auf diese Weise habe ich verstanden, mit Worten zu spielen und Welten und Charaktere zu erschaffen. Das muss nicht zwangsläufig die Grundlage für Rap sein. Es war für mich auf jeden Fall eine Ausdrucksform, in der ich mich beweisen konnte.“

 

Und es war Sport – Wort-Sport

 

Aus dieser Zeit stammt auch Dennis’ Künstlername – von der gleichnamigen Comic-Figur mit der blonden Mähne, dem gestreiften Pulli und der roten Latzhose, um genau zu sein. „Meine Eltern haben mich so genannt. Ich muss als Kind ein bisschen wie diese Cartoon-Figur ausgesehen haben. Und dann sagten die sich halt: ,Unser Sohn wird so ein frecher Junge wie der Dennis the Menace, so ein Lausbub.’“

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Jener Lausbub, der in jungen Jahren durch Run DMC, Ice T oder Snoop Doggy Dogg von Rap-Musik angefixt wurde und der sich – auf Nachfrage – selbst als ein ,True to yourself-Schooler’ bezeichnet.

D: „Ich bin davon überzeugt, dass man sich selbst treu bleiben und die Musik machen muss, die man selbst fühlt. Man muss durch konstante Qualität überzeugen und nicht dem allgemeinen Zeitgeist hinterherlaufen. Am Ende trennt sich die Spreu vom Weizen. Aber klar, dennoch kommt viel Müll in den Mainstream, weil die Masse keinen echten Zugang zur Musik hat und sich dann einfach vom Mainstream treiben lässt.“

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Insgesamt sei er aber stetig offener geworden, was Musik und Rap angeht, sagt Dennis. „Jeder soll sein Ding machen wie er Bock hat.“ Er selbst probiere schließlich auch manchmal neue Dinge aus und wenn diese dann nicht funktionierten, dann lasse er es eben wieder sein. „Aber es gibt Sachen, auf die ich viel mehr Lust hätte.. Ich würde gerne wieder viel mehr singen, weil ich zehn Jahre lang im Chor war – und auf dem neuen Album sind auch mehrere Gesangsparts.“

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„Geerdet“ wird die LP heißen, die im Frühjahr erscheint, und Beats von Brous One, Dexter, Beatvadda, Hulk Hodn, Retrogott, Figub Brazlevic, Brenk Sinatra, Flo Filz, Retrogott und dem „Plastik Chirurg“ beinhalten wird. Warum „Geerdet“, fragen wir Dennis, während der gerade damit beschäftigt ist, beim türkischen Tante-Emma-Laden das beste „Sucuk“ ausfindig zu machen. „Weil alle Tracks entweder mit der Erde zu tun haben oder sich weit von ihr entfernt abspielen“, antwortet Dennis Da Menace und kaut an seinem Sauerkraut-Speck-Brötchen vom Bäcker nebenan (übrigens saulecker). „Ich rappe zum Beispiel ein Lied lang nur über Essen: über Meeresfrüchte, Avocados, blaue Salzflocken aus Hawai oder Rib-Eye-Steak vom Black Angus Rind.“ Na dann, Mahlzeit.

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Marcel Schlegel
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Schreibt viel und immer mit zwei Fingern. Mal über dies, mal mehr über das. Stärke: die Kommasetzung. Punkt. Ein Werdegang in Linkform – hier: http://bit.ly/2ajtdCU

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