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Fid Mella hat Ende Juli sein neues Instrumental-Album veröffentlicht. „Å“ heißt es. Der Südtiroler ist schon lange kein Geheimtipp mehr unter europäischen Beat-Feinschmeckern. Der Wahl-Wiener verteilt seine Instrumentals quer über den gesamten Kontinent. Wir sprachen mit Mella. „Aww“!

Ein Interview von Marcel Schlegel


Deine neue Platte ist draußen. Wie fühlt es sich an, die Vinyl dann endlich in Händen zu halten?

FID MELLA: „Es fühlt sich großartig an, wenn das eigene Album dann endlich rauskommt – schön auch auf Vinyl und mit einem wunderschönen Cover-Artwork versehen. Da freut man sich natürlich.“

20 Beats umfasst die Instrumental-LP namens „Å“. Hast du selbst einen Lieblings-Track?

FM: „Wenn ich einen Beat aussuchen müsste, wäre das ,The Buddha’. Aber eigentlich mag ich alle Tracks auf dem Album.“

Dein letztes reines Instrumental-Solo-Album stammt von 2012. Wie unterscheidet sich die neue „Å“ etwa von der nun vier Jahre alten LP „Tatas Plottn“?

FM: „Die Platte ist smoother, langsamer, wavyier und auch auf eine Art ein bisschen abgespacter, glaube ich.“

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Was bedeutet eigentlich der Titel, dieses A mit Kreis?

FM: „Als ich das Album fertig hatte, fehlte eben nur noch der Titel. Und da sind mir diese Awws aufgefallen, die ich auf der Platte immer wieder auf verschiedenen Beats gestreut habe – entnommen aus verschiedenen Acapellas. Im Zuge dessen bin ich dann auf dieses Stargate-Symbol gestoßen, das im Tiroler oder auch im bayerischen Dialekt genau diesen Laut umschreibt: kein O, kein A – ein Aww.“

Ahh, ein „Aww“ also …

FM: „Ja, genau. Der Titel hat in den letzten Wochen ein bisschen Verwirrung gestiftet, weil keiner so richtig wusste, wie man das Å ausspricht, weil irgendwelche Maschinen mit dem Zeichen so ihre Probleme hatten und es so auch beim digitalen Vertrieb ein paar Problemchen mit diesem Zeichen gegeben hatte.

 

Manche Computer wollten dieses Schriftzeichen einfach nicht fressen. Am Ende hat sich das alles aber gelöst und ich fand die Verwirrung um den Titel eigentlich ganz lustig.

 

Wenn wir schon bei der Namenskunde sind. Wieso eigentlich Fid Mella?

FM: „Den Namen habe ich mir irgendwann einfach ausgesucht und er blieb bestehen. Er hat keine spezielle Bedeutung oder so …“

Auf dem Cover von Å sieht man einen blauen Schädel. Was hat es mit dem Artwork auf sich (siehe Fotos ganz unten)?

FM: „Der blaue Kopf schaut nice aus – und das ist seine Funktion.“

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Es gibt von dir eigene Beatalben, es gibt eine neuere LP mit dem MC Jamin und dann natürlich auch die Scheiben mit deinem Wiener Kollegen Brenk Sinatra. Was macht mehr Spaß: alleine oder im Team?

FM: „Man ist es als Producer gewohnt, alleine Beats zu machen. Das handhabe ich nun schon seit Jahren so – und bin auch cool damit. Aber gerade in letzter Zeit macht es mir immer mehr Spaß, im Team zu arbeiten, also etwa mit anderen Producer-Kollegen oder Rappern, im Studio Sachen aufzunehmen. Ich war heuer zum Beispiel öfter mit Torky Tork im Studio und wir haben ein Album beinahe fertig, das bald kommen sollte, an dem wir beide teils in Berlin und teils in Wien gearbeitet haben.“

Mit oder ohne Rapper – was macht mehr Spaß?

FM: „Ich mache beides gerne. Die Abwechslung ist sehr willkommen, muss ich sagen: Nach diesem neuen Instrumental-Album habe ich nun auch wieder Bock auf Vocals und damit auf MCs, denke ich.“

Wie entscheidest du, ob ein Beat einen MC bekommt oder nicht?

FM: „Ob ein Beat auf einem Instrumental-Album landet oder bei einem Rapper, das ist mir während des Machens oftmals gar nicht klar, das ist Gefühlsache. Das stellt sich dann einfach heraus. Manche Beats eignen sich für Rap-Parts auch schlichtweg nicht: Wenn in einem Beat etwa zu viel los ist und er keinen Platz mehr für einen Rap lässt, bleibt er ein Instrumental.“

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Wenn du die Wahl hättest und dürftest mit einem Musiker zusammenarbeiten, egal, welchen Genre – wer wäre das?

FM: „Das ist schwierig, weil ich ganz viele musikalische Helden habe. Die ganzen ,alten Leute’, die gerne sample, zum Beispiel. Aber wenn ich einen Künstler picken müsste, wäre das Prince, der einer meiner All-Time-Favorites ist. Ob ich mich mit dem dann ins Studio getraut hätte, ist wieder eine ganz andere Frage.“

Gibt’s Produzenten, die du bewunderst, die dich vielleicht auch dazu gebracht haben, das selber zu machen?

FM: „Das war vor allem DJ Shocca aka Roc Beats, den ich 2001 kennenlernen durfte und der auf mich sicherlich den größten Einfluss hatte. Im deutschsprachigen Raum kennt man den nicht so sehr, aber gerade in Italien hat er Legendenstatus. DJ Shocca konnte ich im Studio bei der Arbeit zuschauen und er brachte mir bei, wie man Sampler verwendet und wie das alles mit dem Sampling, dem Choppen und so weiter funktioniert. Von ihm habe ich am meisten gelernt.“

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Du bist in Südtirol aufgewachsen und dann nach Wien gezogen. Braucht man für Kunst eine Großstadt?

FM: „Ich glaube nicht zwangsläufig, aber eine Großstadt hilft natürlich. Erstens, weil das Publikum größer ist und es mehr Leute gibt, die sprichwörtlich den gleichen Film fahren. Es macht auf jeden Fall Sinn, in eine Großstadt zu ziehen und das war für mich auch der Grund von Meran nach Wien zu gehen. In Wien kannte ich schon ein paar Leute, Wien war mir sympathisch und ich habe die Entscheidung nie bereut.“

Wie steht’s um Hip-Hop in Österreich?

FM: „Innerhalb Österreichs hat sich zuletzt nur wenig geändert, da könnte schon noch mehr gehen, gerade auch, was die mediale Aufmerksamkeit betrifft. Grundsätzlich steht’s aber sehr gut um Hip-Hop aus Österreich. Eine positive Entwicklung ist, dass Hip-Hop aus Österreich beispielsweise auch in Deutschland bekannter geworden ist.“

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Mit dem Wiener Brenk von den Betty Ford Boys hast du schon einige Alben produziert. Wie habt ihr euch kennen gelernt?

FM: „Brenk kenne ich seit 2006. Wir haben uns auf myspace getroffen, wo wir alle damals noch unsere Beats hochgeladen haben. Man hat sich dann eben gegenseitig ausgecheckt und irgendwann trafen wir uns persönlich.

 

Wir haben uns 7000 Beats vorgespielt und dazu 7000 Liter Likör getrunken.

 

„Wir verstanden uns auf Anhieb gut und nun wiederholen wir das regelmäßig. Mit Brenk mache ich immer gerne Musik und da wird auch in Zukunft noch einiges kommen – vielleicht auch bald schon die ,Chop Shop 3’.“

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Du steckst auch hinter dem Label Hector Macello. Wie kam’s dazu?

FM: „Hector Macello haben Mainloop, der ebenfalls ursprünglich ein Meraner ist, und ich gegründet, weil wir einfach eine Plattform brauchten, um unsere Musik und die unserer Freunde rauszubringen. In gewisser Weise war das zunächst ein Mittel zum Zweck, wir waren ein paar Leute, die Platz brauchten. Und den haben wir uns auf diese Weise geschaffen. In Wahrheit sind wir jedoch kein Label im herkömmlichen Sinne, also eines, das Artists gezielt sucht. Wir sind vielmehr ein Künstler-Kollektiv und Hector Macello ist unsere dazugehörige Plattform. Das ist so ein bisschen ein Familiending.“

 

FID MELLA @ FACEBOOK

HECTOR MACELLO @ FACEBOOK

BRENK @ INTERVIEW

 

Die Produzenten rückten in den letzten Jahren immer mehr in den Fokus. Plötzlich gab es ganze Beat-Alben, ohne MC, oder sogar Beatsets in Clubs, Producer-Crews wie die Betty Ford Boys und so weiter. Sicher eine erfreuliche Entwicklung?

FM: „Klar freut mich diese Entwicklung und wie das in den letzten Jahren alles gewachsen ist. Vor allem, dass man als Beatmaker auch ohne Vocals erfolgreich Musik machen kann und dass es dafür mittlerweile ein Publikum gibt, das auch zu Liveshows kommt. Ich habe dadurch im Laufe der Zeit viele Leute kennen gelernt, da entwickelte sich eine kleine Parallelwelt und darüber freue ich mich sehr.“

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Wenn ein Producer-Kollege einen guten Beat veröffentlicht – überwiegt da die Freude oder der Neid?

FM: „Dann freut man sich, denn ein guter Beat eines Freundes motiviert einen selbst.“

Die Welt der Medien rast, damit auch die Möglichkeiten des Produzierens. Jeder hat prinzipiell die Möglichkeit am Computer Beats zu machen. Wie stehst du zu solchen Entwicklungen?

FM: „Grundsätzlich ist es normal, dass neue Technologien entstehen und diese das Vorherrschende verändern. Und ganz sicher war früher nicht alles besser – eher im Gegenteil.“

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Hat die Musik aber nicht an Wert verloren oder besser der Künstler? Man skipt eine Platte nur noch durch …

FM: Klar ist natürlich, dass daraus noch mehr eine Challenge entsteht. Solche Entwicklungen haben immer auch Schattenseiten. Auf der anderen Seite bringt diese Entwicklung auch positive Aspekte mit sich. Es ist heute etwa so einfach wie noch nie, in einem ersten Schritt Musik zu machen und diese dann auch selbst rauszubringen. Es ist jedoch auch schwieriger geworden, seine Sachen zu verkaufen.“

Jemand, der Beats macht, der Rap macht, der ist oftmals ein echter Vinyl-Sammler. Heute aber läuft alles digital ab, kaum noch jemand kauft Platten oder CDs. Wie sieht’s da bei Dir aus, auch einen Plattenbau daheim?

FM: „Ja, ich bin da recht oldschool und kaufe sehr viel Vinyl. Ich bin mit Vinyl aufgewachsen, wenn man so will. Schon mein Vater hatte zu Hause viele Platten und ich habe diese als Kind dann schon gerne angeschaut und selber aufgelegt.“

Was macht den Reiz der Platte aus?

FM: „Die Haptik, die Größe der Vinyl, das große Cover, dessen Artwork, wie man eine Platte auflegt, dass man sie überhaupt auflegt und nicht nur einen Doppelklick macht. Es ist  einfach das schönste Medium, auf das man Musik pressen kann.“

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Wer sich das Interview lieber anhört als es zu lesen und wer hören will, wie man dieses „Å“ ausspricht – auf Mixcloud haben wir das ganze Gespräch für euch als Soundfile. Auf die Ohren. Aww!

 

Marcel Schlegel
Author

Schreibt viel und immer mit zwei Fingern. Mal über dies, mal mehr über das. Stärke: die Kommasetzung. Punkt. Ein Werdegang in Linkform – hier: http://bit.ly/2ajtdCU

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