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Pünktlich zu seinem 40. Geburtstag wirft MC Rene sein neues Album auf den Markt. Produziert wurde die LP der Deutschrap-Legende, die angelehnt an Renes marokkanischen Nachnamen „KHAZRAJE“ heißen wird und am 16. September erscheint, vom Berliner Produzent Figub Brazlevic. Wir haben uns den ersten Track „Spliffs & Mics“ angehört und uns direkt mal mit „Le Fig“ (Foto oben, vorne) unterhalten.

Ein Interview von Marcel Schlegel


Wie hast du Rene eigentlich persönlich kennen gelernt?

FIGUB: „Ich kannte ihn flüchtig schon ein paar Jahre. Dann, vor drei oder vier Jahren muss das gewesen sein, war Rene in Berlin. Eine Freundin hat uns zusammen gebracht, wir haben uns auf Anhieb sehr gut verstanden und hatten direkt eine extrem witzige Nacht.“

Wie darf man sich das vorstellen?

FIGUB: „Rene übernachtete in einem Berliner Hotel und fing an, uns die ganze Zeit wie ein Bekloppter per Roomservice Frühstück zu bestellen. Er wollte uns halt ein bisschen veräppeln. Als er dann die fette Rechnung bezahlen konnte, ist ihm das Lachen ein bisschen vergangen. Am Anfang war’s lustig für ihn, danach für uns (lacht). Nach dieser Nacht wurde der Kontakt enger, wir haben uns regelmäßig ausgetauscht, oft auf Konzerten getroffen und er hat sich viel von meiner Musik angehört.“

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Wer hatte dann die Idee, ein gemeinsames Album zu machen?

FIGUB: „Ich durfte schon für sein letztes Album einen Beat beisteuern. Das war schon eine große Ehre für mich. Wir waren dann mal in Köln und übernachteten bei Rene. Irgendwann sagte mir Rene, dass er dieses Jahr 40 werde und ich meinte:

 

Hey, dann lass’ uns zu deinem Geburtstag ein Album machen. Und kurz darauf haben wir beschlossen, das Ganze in Marokko aufzunehmen.

 

Meine Freundin ist französische Marokkanerin. Rene hat ebenfalls marokkanische Wurzeln und dort auch Familie. Er war aber seit seiner Kindheit nicht mehr dort gewesen.“

Das Album entstand komplett in Marokko, richtig?

FIGUB: „Ja, das kann man so sagen. Ich hatte nichts davon vorher produziert, das Ding ist nahezu komplett dort entstanden. Aber klar, die Features, Cuts und das Mastering habe ich dann zu Hause in Berlin gemacht.“

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Gibt’s da auch eine witzige Anekdote?

FIGUB: „Da gab es einige. Mit Rene hat man immer eine Menge Spaß. Ich erinnere mich noch gut an den Tag, an dem wir uns in Marokko trafen und muss direkt schon wieder grinsen: Ich war schon in Marrakesch, er kam aus Casablanca. Und ich warte da also, plötzlich kommt er mit seinem Cousin und seiner Tante auf einem Roller angebraust. Das ist einfach Rene wie man ihn kennt und liebt.“

 

MC RENE @ FACEBOOK

FIGUB BRAZLEVIC @ FACEBOOK

 

Du bist ein gefragter Produzent. Warum wolltest du die Platte mit MC Rene machen?

FIGUB: „Sein Debütalbum ,Renevolution’ von 1995 fand ich immer genial und das war so in etwa die Zeit, in der auch ich mich für Hip-Hop zu begeistern begann. Ich habe immer schon Renes Stimme gefeiert und gewusst, dass der Typ einfach unglaubliche Skills hat; besonders seine Freestyle-Skills sind irre. Ich habe also in all den Jahren immer ein bisschen beobachtet, was er so macht – egal, wie verrückt die nächste Aktion auch wieder geworden ist.“

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MC Rene hatte dem Hip-Hop zeitweise ein bisschen den Rücken gekehrt, er fuhr mit seiner Bahncard quer durchs Land, hielt Lesungen, schrieb ein Buch und war nicht erst, als er sich als Comedian versuchte, sondern auch schon davor von vielen Hip-Hop-Kollegen belächelt worden …

FIGUB: „Er hat fast zwei Dekaden zum Teil persönlich unter der Musik, die er macht und liebt, gelitten und verrückte Moves gemacht, um sich irgendwie neu zu erfinden. Wie er auf seinem letzten Album ,Renessance’ von 2015 dann all diese Erfahrungen verarbeitet hat, was er sagt, wie er auf diesem Album spricht, wie er reflektiert – das hat mich schon tief beeindruckt (siehe Interview).“

 

MC RENE @ INTERVIEW

FIGUB BRAZLEVIC @ 0711TAPE

 

Hat man diese Erfahrung auch bei der Arbeit am Album gemerkt?

FIGUB: „Mit ihm zu arbeiten, macht einfach viel Spaß. Er lässt sich auch auf vieles ein, ist offen für Neues und wollte auch von mir lernen. Es geht ihm glaube ich jetzt, kurz vor seinem 40. Geburtstag, so richtig gut – und das hat er sich auch verdient. Rene ist ein richtig guter Zeitgenosse. Ganz einfach.“

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Wie würdest du euer Deutschrap-Album selbst in wenigen Worten charakterisieren?

FIGUB: „Nicht als ein Deutschrap-Album. Es ist ein Hip-Hop-Album. Man kann das Album in keine Schublade stecken und ich will das auch gar nicht. Man muss es anhören, sich treiben lassen und sich einfach ein eigenes Bild.

 

Rene jedenfalls ist mit seinen bald 40 an einem Punkt angelangt, wo er mit seinem Rap einfach on point ist.

 

An einem Punkt, an dem man merkt, wie viel Bock er noch hat, wie energetisch er auf der Bühne steht und dass er doch noch derselbe gelblieben ist und das verkörpert, was ihn schon immer ausmachte – mittlerweile aber mit ganz viel Eleganz und Klasse, ohne dabei seinen Witz und seine Verspieltheit zu verlieren.“

Anders gefragt: Unterscheiden sich deine Instrumentals durch die Kollabo mit MC Rene von anderen Produktionen?

FIGUB: „Jeder Rapper ist anders und ebenso klingt auch jeder Beat anders. Wäre das nicht so, wäre das schließlich ein endloses Biten. Rene gab mir bei den Beats jedenfalls völlige Freiheit. Ich habe versucht, die Beats sehr facetten- und variationsreich zu halten, habe auf dieser Platte auch für mich viel Neues ausprobiert und glaube, dass es uns und mir dennoch gelungen ist, dem Ding einen roten Faden zu geben. Ich bin stolz auf das Ergebnis und auch glücklich über unseren Urlaub, der für uns beide, so glaube ich, auch persönlich sehr bereichernd war. Rene sah nach vielen, vielen Jahren Teile seiner Familie wieder und ich konnte noch mehr über die dortige Kultur und den Background meiner Freundin und ihrer Familie lernen.“

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Die erste Auskopplung aus dem “KHAZRAJE” ist “Spliffs & Mics” und klingt schon ruff und oldschool. Viel Spaß!

Marcel Schlegel
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Schreibt viel und immer mit zwei Fingern. Mal über dies, mal mehr über das. Stärke: die Kommasetzung. Punkt. Ein Werdegang in Linkform – hier: http://bit.ly/2ajtdCU

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