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Wir hatten das Glück, uns kurz mit Masta Ace unterhalten zu dürfen. Der legendäre US-MC ist diesen Samstag übrigens in der Stuttgarter Schräglage zu Gast. Ihr solltet ihn euch nicht entgehen lassen!

Ein Interview von Marcel Schlegel


In den letzten Monaten habe ich mir so eine Sache angewöhnt: Ich suche bei YouTube von Zeit zu Zeit nach neuen Releases von Masta Ace. Nie werde ich enttäuscht. Als ich mich in jüngeren Jahren zunehmend für Rap interessierte, war mir Ace zunächst kaum zugänglich gewesen – wie überhaupt die Alben der Juice Crew um Masta Ace, Big Daddy Kane, Marley Marl und all den Legenden dieser bis heute unvergessenen Combo. Das änderte sich mit den Jahren. Heute gehört Ace, der mit seinen 50 Jahren noch so athletisch und jung ausschaut wie manche in ihren Dreißigern nicht mehr, für mich zu jenen Rappern, die in keiner Aufzählung legendärer MCs fehlen dürfen. Der Musiker aus Brooklyn/New York ist sich immer treu geblieben und, wie ich finde, immer besser geworden. Gerade die letzten Releases, als MA Doom auf der Platte „Son of Yvonne“ (2012) mit dem großartigen MF Doom, oder die aktuelle LP „The Falling Season“ (2016), sind absolute Bretter und stehen Classic-Alben wie „Take A Look Around“ (1990) oder „A Long Hot Summer“ (2004) in nichts nach.

Als du damit angefangen hast, Musik zu machen, kam diese noch von Vinyl, Kassette oder später CDs. Heute ist alles digital und oft sind solche Streamingdienste sogar kostenlos. Wie findest du das?

Masta Ace: Mir gefallen Streaming-Apps nicht und entsprechend supporte ich sie auch nicht. Spotify und dergleichen entlohnen die Künstler nicht angemessen. Für die Fans ist es ein toller Service – aber nicht für Künstler. Ich habe es am Anfang zum Beispiel abgelehnt, mein Album „The Falling Season“ dort anzubieten. Erst ein Jahr nach Veröffentlichung habe ich mein Einverständnis gegeben.

Ein Phänomen, das mit Streaming aufgekommen ist: dass man Alben seltener durch- oder Songs zu Ende hört. Die Platte „zwang“ einen dazu. Nun skipt man sich oft nur noch durch. Wie hat sich dadurch der Wert von Musik gewandelt?

Masta Ace: Was sich geändert hat, ist, dass sich kommerziell erfolgreiche Künstler weniger verpflichtet sehen, ganzheitliche Alben zu machen. Die meisten Artists legen viel mehr Wert darauf, diesen einen Song zu machen, der durch die Decke geht – und der dann das Album als Ganzes verkauft. Viele kommerziellen Fans kaufen ein Album schließlich meistens nur, um die ein, zwei Lieder hören zu können, die sie aus dem Radio kennen.

I miss hard drums, knocking kicks and snares like ‘A Tribe Called Quest’.

Beats zu machen war früher eine analoge Angelegenheit. Heute gibt es Software, online und meist kostenlos, die es jedem ermöglicht, bequem von daheim aus Musik zu machen. Welche Einstellung hast du dem gegenüber?

Masta Ace: Auf der einen Seite ist es cool. Jeder kann sich ein Laptop holen, dazu irgendwelche Software und sofort kreativ sein. Auf der anderen Seite haben sich Sound und Qualität von Musik dadurch verschlechtert und das zum Teil erheblich, weil Amateure die Sozialen Netzwerke mit ihrer eigenen Musik überschwemmen. Es gibt keinen Filter mehr. Viele Lieder, die heute in die Öffentlichkeit gelangen, hätten es früher nicht mal ins Studio, geschweige denn zu Producern oder auf Labels geschafft.

Was vermisst du heutzutage im Rap?

Masta Ace: Ich vermisse harte Drums, krachende Kicks und Snares wie jene von A Tribe Called Quest. Ich vermisse den Spaßfaktor in Hip-Hop. Das Genre hatte mal einen Sinn für Humor, der verlorengegangen ist. Kommerziell ausgerichtete Songs und solche, die sich auf Sex, Geld, Drogen und Gewalt fokussieren, dominieren.

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Wenn du auf deine Karriere zurückblickst: Gibt es einen Track, den du im Rückblick besser nicht veröffentlicht hättest?

Masta Ace: Mein gesamtes erstes Album „Take A Look Around“. Ich bin damals nicht bezahlt worden, weil das Label seine Künstler systematisch ausgebeutet hat. Ich war zu unerfahren. Hätte ich mich besser ausgekannt, hätte ich das damals anders geregelt.

Gibt es einen Song, der für dich persönlich sehr wichtig war?

Masta Ace: Da gibt es einige: „Young Black Intelligent“, „Beautiful“ oder „Son of Yvonne“ beispielsweise.

Wie hat sich dein Style über die Jahre verändert. Worin liegt der Unterschied zwischen dem 90er-MC und dem Ace, den wir auf „The Falling Season“ zu hören bekommen?

I was super preachy in my first music.

Masta Ace: Am Anfang war ich super preachy. Ich habe meinen Hörern quasi meine Meinung gepredigt, und wollte ihnen von oben herab vorschreiben, was sie zu tun haben und was nicht. Ich lernte dann aber, mich selbst als Botschaft in die Musik zu legen. Entweder also, ich mache mich selbst zum Thema der Musik oder ich erschaffe eine Geschichte mit einem Charakter, auf den sich der Zuhörer beziehen kann.

Du bist sehr oft in Europa und auch in Deutschland. Was ist das Besondere an deutschen Fans?

Masta Ace: Ich liebe die Fans in Deutschland. Sie sind sehr leidenschaftlich und energetisch bei der Sache. Deutschland hat mich immer supporte – von Anfang an. Shoutout an Kool Savas an dieser Stelle.

Welches war das beste Konzert, das du als Fan je besucht hast?

Masta Ace: Eines der besten Festivals war das „Fresh Fest“ in den 80er Jahren mit Run DMC, Fatboys, LL Cool J, Curtis Blow und den Beastie Boys.

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Was bringt die Zukunft, mit welchem Rapper oder Producer würdest du gerne zusammenarbeiten?

Masta Ace: Mit Marco Polo – und ein gemeinsames Projekt ist schon in der Mache.

Auf YouTube gibt es diesen Ausschnitt der Radioshow „Rap is Outta Control“ mit DJ Eclipse und MC Serch von Non Phixion. Es fallen Namen wie Pete Rock, DJ Premier oder Freddie Fox, als der großartige Kev Brown, für mich einer der most underrated Producer aller Zeiten, für Ace diesen ruhigen, wunderschönen Beat auflegt. Ace, ein Nicken, ein Lächeln und ein Freestyle, der zeigt, warum er einer der Größten ist, die das Mic jemals in Händen hielten. Wann immer ich mich wieder auf YouTube nach Ace-Tracks umsehe, lande ich früher oder später bei diesem Ausschnitt. Und Ace nickt. Und ich nicke mit.

 

INTERVIEW IN ENGLISH

When you started back in the days music was on vinyl, tape or cd. Nowadays people can stream every song they want and everywhere they want – and quite often for free. What’s your opinion on streaming applications?

I DONT LIKE OR SUPPORT ANY STREAMING APPS. SPOTIFY AND OTHERS DONT PAY ARTISTS A FAIR ROYALTY FOR THE PLAYS THEY RECEIVE. ITS GREAT SERVICE FOR FANS BUT NOT FOR ARTISTS. I REFUSED TO STREAM MY NEW ALBUM “THE FALLING SEASON” UNTIL IT HAD BEEN OUT FOR ONE YEAR BECAUSE OF THIS. SO IT WILL FINALLY BE AVAILABLE THERE THIS MAY.

People often listen just to one song of an album and skip the others. 15 or 20 years ago you used to buy cds or vinyl – and listened to the whole album. How has the value of music or the status of an artist changed over the years?

WHAT HAS CHANGED IS THE COMMITMENT TO COMMERCIAL ARTISTS TO MAKE COMPLETE ALBUMS BECAUSE ITS A SINGLES MARKET. EVERY ARTIST IS FOCUSED ON MAKING THAT ONE HOT SONG THAT WILL SELL THE ALBUM. MANY COMMERCIAL FANS BUY THE ALBUM MOSTLY TO HEAR THOSE ONE OR TWO POPULAR RADIO SONGS.

Making beats and rapping used to be an analog thing, that changed aswell. There’s plenty of (free) software online, you don’t have to use hardware to produce beats. What’s your opinion on that?

ITS COOL ON ONE HAND THAT ANY PERSON CAN BUY A LAPTOP AND SOME SOFTWARE AND START BEING CREATIVE. ON THE OTHER HAND THE QUALITY OF MUSIC AND ITS SOUND IS GREATLY REDUCED BECAUSE SO MANY AMATEURS ARE THROWING MUSIC OUT VIA SOCIAL MEDIA. THERES NOT FILTER ANYMORE. A LOT OF THIS MUSIC WOULD NEVER HAVE MADE IT PAST THE STUDIO, PRODUCER OR LABEL.

When it comes to rap music: What do you miss these days?

I MISS HARD DRUMS, KNOCKING KICKS AND SNARES LIKE ‘A TRIBE CALLED QUEST’. I ALSO MISS THE FUN ASPECT OF HIPHOP. THERE WAS A SENSE OF FUN IN OUR GENRE THAT IS MISSING NOW. COMMERCIAL SONGS LYRICS FOCUS ON WEALTH, SEX, VIOLENCE AND DRUGS.

Looking back on your career is there any song you now wish you better wouldn’t have published?

MY ENTIRE FIRST ALBUM. I DONT GET PAID FROM IT BECAUSE OF THE LABEL SYSTEMATICALLY ROBBED THEIR ARTISTS OF ROYALTIES AND PUBLISHING. HAD I BEEN MORE AWARE BACK THEN I WOULD HAVE MOVED DIFFERENTLY.

Is there any particular song which is very special to you?

THERE ARE A FEW SONGS THAT HAVE HUGE IMPORTANCE TO ME. “YOUNG BLACK INTELLIGENT”, “BEAUTIFUL”, “SON OF YVONNE” ARE A FEW…

How has your own style of music changed over the years? What’s the difference between young Ace and the Masta Ace people listen to on „Falling Season“?

I WAS SUPER PREACHY IN MY FIRST MUSIC. I WAS TALKING DOWN TO MY LISTENERS TELLING THEM WHAT THEY SHOULD AND SHOULDNT DO. I LEARNED AFTER THAT TO IMMERSE MYSELF INTO THE MESSAGE. I WOULD EITHER MAKE MYSELF THE SUBJECT OR CREATE A STORY WITH A CHARACTER THE LISTENER COULD RELATE TO.

You’re in Germany and Europe quite often: Is there any German artist you really like?

I LOVE THE FANS IN GERMANY! THEY ARE SO PASSIONATE AND ENERGETIC WHEN IT COMES TO HIP HOP. GERMANY HAS SUPPORTED ME SINCE I FIRST STARTED COMING TO PERFORM. BIG SHOUT TO KOOL SAVAS ONE OF MY FAVORITES FROM DL!

With which producer/rapper would you like to collaborate for a project?

MARCO POLO! ITS IN THE WORKS TOO!

What’s the best concert you’ve ever been to?

ONE OF THE BEST WAS ‘FRESH FEST’ IN THE 80s. RUNDMC, FATBOYS, LLCOOLJ, CURTIS BLOW AND BEASTIE BOYS!

 

Marcel Schlegel
Author

Schreibt viel und immer mit zwei Fingern. Mal über dies, mal mehr über das. Stärke: die Kommasetzung. Punkt. Ein Werdegang in Linkform – hier: http://bit.ly/2ajtdCU

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