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Suff Daddy hat im Juni sein neues Instrumental-Album veröffentlicht. „Bird Songs“ heißt die Platte, die den US-Musiker Mayer Hawthorne featured. Wir sprachen mit dem Berliner Producer über die Sache mit den Vögeln, das kommende Album der Betty Ford Boys und deren Vorliebe für Hüttenurlaube in den Bergen.

Ein Interview von Marcel mit Fotos von Saeed


Das Album fertig und nun folgt für Suff Daddy das sprichwörtlich alte Lied. Einen Titel für die neue Solo-Platte braucht es noch, das Label des Berliner Produzenten wird schon ungeduldig, hat bereits ein paar Mal beim Betty-Ford-Boy nachgefragt. Wie soll das Ding nun also heißen? Suffy sitzt am Schreibtisch, ratlos, unkreativ, wie er sagt. „Dann habe ich aus dem Fenster geschaut und sah einen Baum, auf dem ganz viele Vögel saßen“, erzählt er. Daraus entstand der Titel für sein neues Album „Bird Songs“, das Ende Juni auf Jakarta veröffentlicht wurde. „Eigentlich also eine recht beschissene Story, aber so ist es gelaufen“, sagt Suffy und grinst.

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Ohnehin falle es ihm mittlerweile recht schwer, seine Beats zu benennen, gesteht der gebürtige Düsseldorfer. „Ich werde immer unkreativer.“ Manchmal falle ihm etwas ein, dann zweifle er daran, schiebe es raus.“

 

Und irgendwann kommt der Tag der Abgabe und immer sage ich dann: ,Ach komm’, scheiß drauf, das passt jetzt so.

 

„Bird Songs“ also. Weil ein bisschen Gefieder vor Suffys Haus sein Unwesen trieb. Aha. Und doch, wenn man die elf Tracks des Albums durchhört, auf dem unter anderem auch der US-amerikanische Soulmusiker Mayer Hawthorne vertreten ist, und dann noch mal an den Titel denkt, an „Bird Songs“ halt, dann passt das irgendwie, dann stimmen Titel und Sound irgendwie überein.

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SUFF DADDY: „Ich habe mir nun auch immer wieder gedacht, dass der Titel tatsächlich ganz gut passt. Das ganze Album ist sehr ruhig, schön entspannend – und das kann man ja auch von Vogelgesängen behaupten. Aber auf der anderen Seite: Manche Leute geben ihren Alben einen Titel mit einem deepen Sinn, das kann ich von meinem Albumtitel nicht wirklich sagen. Das war eher ein Schnellschuss, weil mein Label gestresst hat. Aber ich kann auf jeden Fall ganz gut damit leben.“

Wie gehst du vor, wenn du die Tracklist einer Platte machst. Kommt da alles drauf, was du gemacht hast, oder nur die Songs, die irgendwie zusammen passen? Auf „Bird Songs“ findet sich bspw. kein „Aggro-Track“?

S: Ganz genau, wenn ich das Album zusammenstelle, dann gucke ich einfach, was zusammenpasst. Aber das passiert immer ganz am Ende und davor habe ich mir meistens überhaupt keine Gedanken gemacht, wohin die Reise geht, sondern einfach gemacht. Es muss sich letztlich gut anfühlen, ich muss das durchhören können. Dann mache ich mir eine Playlist, davon verschiedene Versionen und höre mir das, wenn ich mal wieder einen meiner langen Fußmärsche irgendwohin mache, immer wieder durch. Ein paar Sachen fallen dann meistens noch raus – in diesem Fall habe ich ein paar dieser gestrichenen Songs auf die ,Random Promo EP’ gepackt, die wir vorher rausgehauen haben.“

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Wie würdest du die Platte selbst charakterisieren und wie unterscheidet sie sich von den vorherigen Alben?

S: „Es ist immer noch eine Suff-Daddy-Platte, das hört man glaube ich schon. Aber zum vielleicht ersten Mal weist sie auch leicht melancholische Töne auf …“

Gab’s eine melancholische Phase im Leben des Suff Daddy?

S: „Eigentlich nicht. Ich bin eigentlich nie melancholisch, also ganz selten. Ich weiß nicht, das waren die Samples, deren Stimmung, die es mir angetan haben. Und irgendwie kann ich ja auch nicht immer nur superhappy Musik machen. Aber das war keine bewusste Entscheidung, das passierte einfach so. Es hatte auf jeden Fall zur Folge, dass das neue Album nicht nur reine Hip-Hop-Beats aufweist, sondern auch ein bisschen mehr Arrangement am Start hat.“

 

Auch dass das neue Album ein ,bissl’ musikalischer, ein ,bissl’ mehr selber gespielt ist

 

„Und wenn ich etwa an ,Suff Sells’ denke, da waren schon so ein paar hingerotzte Sachen drauf, ich meine, ich mag das Album immer noch, aber da war einfach viel zu viel drauf. Ich habe das noch nie an einem Stück durchgehört, das ist einfach viel zu viel. Und ,Bird Songs’ – das ist kurz, bündig und sehr in sich schlüssig.“

 

BRENK @ INTERVIEW

DEXTER @ INTERVIEW

 

Hast du einen Lieblingstrack auf dem Album?

S: „Das ändert sich ständig, aber seit längerer Zeit ist es nun ,Paper Proclamation’ mit Mayer Hawthorne. Den habe ich komplett selber gemacht, da wurde kein Sample benutzt, das ist ein Gute-Laune-Track erster Güte und mit Mayer war es einfach eine ziemlich geile Kombination.“

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Wenn man relativ lange an einem Album arbeitet und man die Sachen immer wieder hört, wie ist es dann, wenn es rauskommt? Hört man sich‘s dann selber noch mal an? 

S: „Nee, irgendwie gar nicht mehr. Und ich spiele das nach dem Release auch sehr ungern nur anderen Leuten vor, ich gebe denen lieber eine CD, die Platte oder einen Download-Code mit, die sollen sich das zu Hause alleine anhören. Aber es ist jetzt auch nicht so, dass mir das alles dann auf den Sack geht. Aber wenn das Album eben rausgekommen ist, ist da ja auch schon über ein halbes Jahr abgegeben und im Prinzip ,olle Kamelle’, also durch quasi.“

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Du gehst erstmals mit einer Liveband auf Tour. Was darf man da erwarten?

S: „Neuland für mich. Aber ich freue mich drauf. Ich habe einen Drummer und einen Keyboarder dabei – beides sehr fähige Leute. Ich habe die meisten Stücke des neuen Albums und weitere gut 20 meiner All-Time-Favorites ausgewählt und wir spielen die nach mit der Band.“

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Und wie läuft das konkret ab?

S: „Noch ist vieles offen, wir befinden uns noch mitten in den Proben. Aber das wird sehr gut, da bin ich mir sicher, weil es das erste Mal sein wird, dass ich auch meine ruhigen Stücke ordentlich präsentieren kann. Weil als DJ oder auch mit den Betty Ford Boys, da geht’s ja immer so ein ,bissl’ auf die Zwölf und da musst du die Party und den Dancefloor am Laufen halten.“

 

Diesmal wird’s wirklich so sein, dass die Leute einfach zuhören.

 

„Ich habe die Chance, meine Musik so richtig darzubieten und zum ersten Mal auch Improvisation auf der Bühne zuzulassen. Ich freue mich voll drauf, aber auf der anderen Seite ist das eine Aufgabe, die mir jetzt schon seit Wochen Bauchschmerzen bereitet und mich aus meiner Komfortzone mal ordentlich rausgerissen hat. Doch nur so lernt man dazu und das ist ganz gut so.“

Wie gehst du beim Beatmachen vor – gibt’s da eine Skizze, der du folgst?

S: „Das verläuft alles spontan. Ich treibe irgendwo ein Sample auf, das mich kickt und dann setze ich mich hin und lege los, ohne Skizze oder dergleichen. Ich habe also vorab kein übergeordnetes Konzept, wenn ich eine Platte mache. Ich mache Beat für Beat, völlig losgelöst voneinander und danach suche ich zusammen.“

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Verhindert ein Konzept die Kreativität zu sehr?

S: „Das will ich nicht behaupten, es gibt genug Kollegen, die mit mehr Konzept und Plan an die Sache herangehen. Dexter zum Beispiel hat einige solcher Konzeptalben gemacht und man erkennt dann auch den roten Faden, der ein solches Vorgehen zu Folge haben kann. Aber es ist halt einfach nicht mein Ding, so viel vorab zu planen. Ich frage mich stattdessen heute noch nach jedem Beat, wie ich den eigentlich gemacht habe.“

Die Betty Ford Boys waren wieder in den Bergen. Dexter, Brenk und Dich hat’s diesmal glaube ich in die Schweiz gezogen. Warum immer in die Berge?

S: „Genau, vorletztes Jahr waren wir in Bayern auf einer Hütte, diesmal in der Schweiz. Anfangs hatten wir nur einen Ort gesucht, der für uns drei, die wir aus Berlin, Stuttgart und Wien kommen, gleich leicht zu erreichen ist. Doch nun, da wir wieder in den Bergen waren, muss ich echt sagen, dass ich die Berge schon auch sehr zu lieben gelernt habe.“

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Und warum auf eine Hütte?

S: „Wir drei sehen und treffen uns eben nicht mehr so oft. Meistens dann, wenn einer einen Gig in der eigenen Stadt hat. Dann fehlt aber oft einfach die Ruhe, um sich zusammen zu setzen und in einer bequemen Atmosphäre Musik zu machen. Daher die Berge, daher die Hütten, daher diese Auszeit …“

Wie weit seid ihr gekommen – steht ein neues BFB-Album in den Startlöchern?

S: „Wir waren acht Tage in der Schweiz und haben eigentlich genug Material produziert. Zuletzt haben wir das Zeug aber einfach liegen gelassen und werden uns das Material auch erst Ende des Jahres noch mal anhören. Aber der Großteil ist gemacht. Das Fundament ist steht. Da kommt was!“

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Themenwechsel zum Schluss: Ein Künstlerdasein ohne Social Media scheint heutzutage kaum noch möglich. Wie hältst du es selber mit Facebook und Co.?

S: „Für mich bedeutet es Segen und Fluch zugleich. Einerseits weiß ich, dass Social Media wichtig ist, um seine News zu streuen. Andererseits gebe ich halt echt auch einen Scheiß drauf. Aber, auch ich habe meinen Facebook-Account noch nicht gelöscht, weil ich um meine Reichweite und deren Vorteile und Wirkung weiß. Gerade für Künstler oder Medienschaffende, die Facebook und Co. als Umsonst-Werbeagentur nutzen können, scheint es sehr wichtig zu sein.“

 

Dennoch: Seit einiger Zeit bleibe ich weitgehend ruhig, weil mich diese persönliche Note im Social Media stört und das Mitteilungsbedürfnis der Menschen einfach nervt.

 

„Jeder muss ständig zeigen, was er macht und tut. Ich denke mir immer, das würde doch auch ohne klappen. Aber dann merke ich, wie sehr etwa ein Facebook-Post eine Veröffentlichung pusht. Man sollte sich darin halt letztlich nicht verlieren und es moderat einsetzen, glaube ich.“

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MEHR ZU DEN ANFÄNGEN VON SUFF DADDY FINDET IHR IN UNSEREM ERSTEN INTERVIEW.

Marcel Schlegel
Author

Schreibt viel und immer mit zwei Fingern. Mal über dies, mal mehr über das. Stärke: die Kommasetzung. Punkt. Ein Werdegang in Linkform – hier: http://bit.ly/2ajtdCU

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