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Er ist halt einfach ein weiser Kerl, der den Fans noch viel zu sagen hat: KRS One lieferte in der Schräglage eine wuchtige Show ab, eine Mischung aus Freestyle-Marathon, ganz viel Classic Material und reichlich Hip-Hop-Knowledge.

Eine Review von Marcel 


Zum Start gibt es erst mal Nachhilfeunterricht – klar, schließlich ist KRS One auch der Teacher. „Turn it down“, ruft Blastmaster Kris dem jungen deutschen DJ zu, der ihm beim Konzert in der Stuttgarter Schräglage die Beats auflegen soll. Und der wohl gerade so auf der Welt gewesen sein dürfte, als der heute 51-jährige KRS One 1985 seine erste Crew gründete: die legendären Boogie Down Productions, kurz BDP. 1987 erschien „Criminal Minded“ – eines der einflussreichsten Alben der Rap-Geschichte.

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Doch der DJ hat den spontanen Zuruf des New Yorker Großmeisters nicht gleich bemerkt. Also schreitet KRS selbst lachend ans Pult und dreht die Musik leiser (das Spielchen wird sich noch wiederholen). Dann hält er eine kleine Ansprache, die erste von zahlreichen musikalischen Vorlesungen an diesem Abend, die die Konzertbesucher etwa über den Unterschied zwischen MCs (ihnen geht’s um die Kunst) und Rappern (ihnen geht’s ums Geld) und zwischen Rap und Hip-Hop aufklären, oder einen spirituellen Abgesang auf Technologie und die Musikindustrie anstimmen.

 

Hip-Hop is something you live – Rap is something you do.

 

Zur Ehrenrettung des jungen DJs: Die ganze Show von KRS One schien improvisiert. Kris macht auf der Bühne das, was ihm gerade in den Sinn kommt. Rap eben. So wie er begann. Nichts Schlechtes, ganz und gar nicht – aber unberechenbar und unterhaltsam wie eine eineinhalbstündige Freestyle-Show, in der man sich immer schon auf die nächste Endsilbe des kommenden Reims freut.

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Da darf auch schon mal der DJ ins Schwitzen kommen. Den Zuschauern jedenfalls läuft der Schweiß längst die Stirn herab, als Kris die Schräglage mit Klassikern wie „MCs act like they don’t know“ – oder noch älter: „The Bridge is over“, „Sound of da police“ und, „South Bronx“ zum Kochen bringt. „This is from a time when poetry mattered.“

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Einen Shoutout an DJ Premier oder den bereits verstorbenen Scott La Rock, der mit KRS One einst BDP ins Leben rief und dann folgt die nächste lange Freestyle-Session, die eine Mischung aus Wissenstransfer zur Hip-Hop-Kultur, Gesellschaftskritik und ganz viel humorvollen Punchlines bietet. „What you get is straight classic“, sagt KRS One.

 

Boom Bap, Boom, Boom, Bap! – Raw like sushi.

 

Keine Frage: Wo KRS One drauf steht – ist auch Knowledge Reign Supreme drin. Und vor allem Knowledge. Keine großen Lichteffekte oder sonstigen Schnick-Schnack. Nur ein Mic und ein MC. Das ist das Erfolgsrezept von KRS One, dem Hip-Hop-Lehrer. Und das schon seit über 20 Jahren. Auf die nächsten 20.

 

 

Marcel Schlegel
Author

Schreibt viel und immer mit zwei Fingern. Mal über dies, mal mehr über das. Stärke: die Kommasetzung. Punkt. Ein Werdegang in Linkform – hier: http://bit.ly/2ajtdCU

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