17859113_1276440762470753_1922801070_o

In unserer Serie SchwarzWeißBunt stellen wir euch Künstler vor, die mit ihrem Schaffen die Welt ein kleines bisschen schöner machen. Diesmal haben wir BoGgie Gramb aus Weimar gepickt, der unter anderem für die Stuttgarter Longboard-Crew Root als Grafiker tätig ist. Seine Besonderheit: Er arbeitet ohne Farben. Das macht das Interview mit dem guten Johannes (26) aber gewiss nicht weniger bunt.

Interview von Pascal


Wie fing es an bei Dir mit Graffiti?

„Gemalt habe ich eigentlich immer. Aber bewusst erst, als Skateboarding und Graffiti in mein Leben kamen. Mit 14 war ich mit meinen Eltern an der Ostsee im Urlaub, dort war ich das erste Mal in einem Graffiti-Store – ein kleiner Laden, vielleicht 15 Quadratmeter. Ich kaufte mir meine ersten Marker und ein Graffitimagazin. Danach habe ich alles aufgesogen, was ich in die Finger bekommen konnte, habe abgemalt, gelesen und inhaliert.“

Du kamst also über das Skaten zum Malen?

„Ja, das kam zeitgleich. Damals waren Skateshops für mich eine wichtige Anlaufstellen. Zu dem Zeitpunkt gab es noch einen Shop in meiner Stadt und in den Ferien waren wir dann in Erfurt in den Läden unterwegs. Dann stand ich da ewig vor den Regalen mit den Boards und habe die Grafiken angestarrt. Ich war quasi ,infiziert’ – und mein Ziel war es fortan, irgendwann mal eine Skateboardgrafik zu machen.“

01

Wie arbeitest du – mehr digital oder mehr analog?

„Am liebsten 70/30 – also 70 Prozent analog und 30 Prozent digital. Ich zeichne alles per Hand – Einscannen, Layouten, Nachbearbeitung, das passiert dann am Rechner. Und natürlich viel Dose, Marker und so weiter.“

Wo kannst du am besten arbeiten?

„Am liebsten arbeite ich an meinem Schreibtisch, in der Druckwerkstatt und natürlich an der Wand. Ich bin gerne in meinem eigenen Space. Ich liebe es, wenn ich für mich bin und einfach abtauchen kann. Das Nachdenken über das, was ich machen will, passiert meist davor, beim Malen führe ich dann nur noch aus, was ich mir davor überlegte.“

Welche Farben prägen dich?

„Anthrazit-Grau, Schwarz, Weiß, Cremeweiß, Braun. Dazu habe ich übrigens auch eine lustige Theorie: Man hat bei mir erst sehr spät gemerkt, dass ich eine Brille brauche. Deshalb habe ich, bis ich sechs Jahre alt war, immer eine fette schwarze Outline um alles gemalt, weil das der einzige Kontrast war, den ich einigermaßen klar sehen konnte. Ich gehe davon aus, dass das prägend war (lacht).“

02

Was malst, sprayst und zeichnest du am liebsten?

„Alles, was zum Leben gehört: die Dudes, Familie, Freundin, ein volles Baggy, Kunst und Skaten. Aber auch negative Sachen, die mich nerven. Manchmal muss ich mich ein bisschen auskotzen durchs Zeichnen.“

Welche Kunstrichtungen feierst du?

„Tags, Mann! Tagging ist für mich eine der meist unterschätzten und verachteten Kunstrichtungen. Es gibt so viele abartig gute Tags. Zum Beispiel die Typen in Sao Paulo, die ihr eigenes Alphabet mit eigenen Symbolen und Buchstaben entwickelt haben. Das ist Typographie, Grafikdesign und Kunst in einer neuen Dimension.

Es ist einfach geil, wenn man durch eine neue Stadt läuft und einen Tag sieht, das nicht nur gut ist, sondern auch zum Spot passt.

Das Gesamtbild muss stimmig sein. Und: Ätzradierung! Das kennen echt zu wenige Leute. Dabei handelt es sich um eine alte Drucktechnik, bei der man sein Motiv in eine beschichtete Platte ritzt und dann in Säure legt. Später wird das Ganze durch eine Presse gezogen und gedruckt. Eine fertige Radierung ist bei den Fotos dabei.“

batch_ÄTZRADIERUNG

Gibt es Vorbilder, an denen du dich orientierst?

„Puh, das ist schwer! Direkte Vorbilder – das würde ich nicht sagen. Ich feier’ sehr viele Künstler für ihren Style, ihre Art, etwas darzustellen oder für ihre Ideen. Das habe ich noch vom Graffiti übernommen: immer weiter am eigenen Style zu arbeiten, dabei eine Linie zu fahren. Und muss es irgendwie real und authentisch sein. Trotzdem kann ich natürlich ein bisschen Namedropping machen: JoeMadeThis und Kim ,The Butcher’ Schreiner – beides Künstler für Koloss Skateboards – haben mir die Entscheidung, ohne Farbe zu arbeiten, leichter gemacht. Dann ARYZ, Broken Fingaz, Sainer von ETAM, Cleon Peterson, Swansky, Mike Giant, Jeremy Fish und die Urgesteine aus dem Skateboarding wie Jim Phillips von Santa Cruz, Craig R.Stecyk, Vernon Court Johnson. Auch Albrecht Dürer, zum Beispiel, hat mich richtig beeindruckt! Die Liste könnte ich ewig fortführen …“

Wie gehst du mit Kritik um?

„Kommt drauf an, ob die Kritik konstruktiv ist – oder nicht; und von wem sie kommt. Durch Kritik testet man sich selbst und treibt sein Denken und Arbeiten voran. Am Ende liegt es aber an einem selbst, inwieweit man etwas annimmt oder nicht. Für mich persönlich war Kritik von den richtigen Leuten bisher voll wichtig! An der Stelle Grüße an Ksix, Quallus, Da.de und Lisa!“

04

Was gibt Dir Kunst, was liebst du daran?

„Kunst ist Liebe und andersrum. Du musst ja erst mal irgendwas lieben, um Kunst machen zu können! Wenn du Kunst machst, ohne es zu lieben, spiegelt sich das auch in deiner Arbeit wider. Das ist das, was ich eben mit real und authentisch gemeint habe.“

03

Wie läuft das ab, wenn du künstlerisch tätig bist?

„Da gibt es keinen Zeitplan! Ich hatte mal in meiner WG eine große weiße Wand. Der Plan war, die mit eigenen Skateboards zu füllen. Dann bin ich aber mit meiner Freundin zusammengezogen und jetzt sind es noch mehr weiße Wände geworden (lacht). Ich hab’ einfach Lust, coole Projekte zu machen, mit verschiedenen Leuten und Firmen zusammen zu arbeiten und Spaß zu haben. Ziel ist es, davon Leben zu können, damit ich ausschließlich Kunst machen kann.“

 

Root Longboards – Sympathischer Sauhaufen

Pascal Hof
Author

Write A Comment