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Noch unsere neue Serie im Kopf? So halb? In “SchwarzWeißBunt” stellen wir euch Künstler vor, die mit ihrem Schaffen die Welt ein kleines bisschen schöner machen. Numero zwei: Hannes Felix aus Heidelberg.

Ein Interview von Pascal


Die Nummer zwei unserer Interviewreihe führt uns den Neckar runter bis nach Heidelberg. Hannes Felix hält dort die Fahne für die Urbane Kunst hoch und begeistert uns mit einer Mischung aus realistischer Portraitkunst und urbaner Härte. “Klappe die Zweite!” – also für Schwarzweißbunt und Hannes.

Wieso hast du angefangen mit der Kunst?

HANNES: Ich war schon immer künstlerisch aktiv. Ab wann dann das „Malen“ oder „Sprayen“ zur Kunst wird, möchte ich nicht entscheiden. Fest steht, dass ich mich seit jeher für die Kunstgeschichte, also auch für das weite Feld der Kunst im Allgemeinen, sehr interessiere. Ich habe wahrscheinlich einen kreativen Ausgleich gesucht und diesen dann im Malen bunter Buchstaben gefunden. Eigentlich male und zeichne ich schon seit ich denken kann. Ich brauche die Zeit für mich und kann mich, während ich zeichne, ganz meinem Gefühl und meinen Gedanken hingeben.

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Mit welchen Medien arbeitest du?

H: Da ich aus dem Offenburger Graffitilager komme, ist mir der Umgang mit der Dose bis heute sehr vertraut und auch als Medium in meinen Arbeiten durchaus wichtig. Aquarellfarben verschwimmen zum Beispiel sehr gut und man kann wunderbar farbenfrohe Strukturen erzielen. Mit der Sprühdose kann man einen leichten Farbnebel auftragen, oder auch leicht abgestufte Farbübergänge erschaffen. Von Sprühdosen über Aquarell- und Acrylfarben bis hin zu Holzstiften und einer Vielzahl an Markern benutze ich also eine Menge verschiedener Medien.

Ich bin bei meinen Werken durchaus experimentierfreudig, was mich auch schon einige Arbeiten kostete.

Die Verwendung mehrerer Medien lässt einen ab und an den richtigen Moment sein Werk zu beenden verpassen. Das ist zwar für den Moment schade, hilft mir aber zukünftig, da ich so dann weiß, welche Materialien zusammen funktionieren. Zudem bleibe ich künstlerisch nicht an einem Punkt stehen und kann mich stetig weiterentwickeln.

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Wo arbeitest du am liebsten?

H: Am liebsten arbeite ich in der Natur. Das geht nun zeittechnisch und auch von der Organisation der Materialien nicht immer. Früher hingen wir alle an der Hall rum und das Bild war eigentlich eher nebensächlich. Wir rauchten, grillten Würstchen und veranstalteten viel Lärm. Diesbezüglich bin ich nun viel ruhiger geworden und nutze die Zeit der künstlerischen Aktivität, um mich zu entspannen, oder mich währenddessen gemütlich mit meinen Liebsten zu unterhalten.

Was ist deine Lieblingsfarbe?

H: Ich mag jetzt keine Farben diskriminieren (lacht). Ich liebe sie alle. Besonders mag ich die Farbe des Flieders und den Übergang von Blau nach Grün. Pastellfarbtöne gefallen mir auch sehr.

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Was inspiriert dich?

H: Oh, das ist leicht. Mich inspirieren Augen, die mir in die Seele sehen. Ich mag außergewöhnliche Gesichter, echte Emotionen und natürlich das Gefühl, etwas mit den eigenen Händen zu erschaffen. Das Kunstwerk ist also ein Hybrid des Abbilds der gemalten oder gezeichneten Person und meiner Inspiration. Musik inspiriert mich zudem sehr. Ich höre, während ich male, gerne Musik oder in letzter Zeit auch vermehrt philosophische Hörspiele. Wie erwachsen, oder (lacht)?

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Welche Kunst sollte man gesehen haben?

H: Am besten sollte man so viel Kunst gesehen habe, wie es einem möglich ist. Dazu muss man aber auch sagen, dass sich große Kunst nicht zwingend, wie uns oft suggeriert wird, in Museen versteckt. Man findet sie in zahlreichen Alltagssituationen, oder auch an versteckten Orten. Einen echten Rembrandt, Van Gogh oder Renoir findet man natürlich nicht auf der Straße und daher sollte man auch ab und an ein gutes Museum von innen gesehen haben. Von der Sonderausstellung mit dem Titel “Geschlechterkampf” des Städel Museums in Frankfurt, um mal ein aktuelles Beispiel zu nennen, war ich zuletzt sehr überwältigt.

Manchmal muss ich auch immer noch, gerade was die unheimliche Kraft der Stimmung anbelangt, an die Bilder Caspar David Friedrichs in der Nationalgalerie Berlin denken.

Bilder aus der Epoche der Romantik gefallen mir mitunter am meisten. Die davon inspirierte Kunst der Impressionisten gefällt mir zudem sehr. Vor einem Renoir, Monet oder Degas konnte ich schon immer länger stehen als vor einem Kandinsky oder Picasso, ohne jetzt die Kunst dieser beiden herabstufen zu wollen. Kunst ist nach wie vor eine Sache des persönlichen Geschmacks. Daher muss man auf sein inneres Gefühl achten und die Kunst eben erkennen, wo sie einem begegnet, oder wie sie einen eben inspiriert. Um also wieder auf die Ursprungsfrage zurückzukommen: Man sollte so viel Kunst zu sehen versuchen, wie einem eben möglich ist. Je mehr Kunst man gesehen hat, desto leichter fällt die Einordnung und der Genuss selbiger.

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Woran denkst du, während du arbeitest?

H: Oft gebe ich mich beim Malen einfach meinen Gedanken hin. Künstlerisch tätig zu sein, ist für mich ein Akt der Entspannung. Wenn ich beispielsweise einen anderen Künstler portraitiere, höre ich beim Malen oft auch dessen Musik, oder beschäftige mich im Vorfeld mit dessen Kunst, um mich einzustimmen. Ich finde es ehrlich, mich auf die zu portraitierende Person einzulassen. Einige meiner Werke sind mir sehr wichtig, da ich sehr viel Liebe und Gefühl in sie fließen ließ.

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Welche anderen Künstler nimmst du dir zum Vorbild?

H: Am meisten sind mir bis heute die Künstler in Erinnerung geblieben, die mir Dinge erklärten, sich nie zu fein waren, mit mir zu sprechen und die sich einfach freundlich und unvoreingenommen mir gegenüber verhielten. Ich selbst mache das bis heute genau so und bin über jeden Menschen froh, der mit mir über Kunst und auch über all die anderen Dinge reden mag.

Freundliche Begegnungen und das gute Gefühl sind mir sehr wichtig. Gute Kunst ist daher für mich persönlich das Zusammenspiel von Künstler und dessen Kunstwerk.

Im Umkehrschluss sollte der Künstler also glaubwürdig sein und hinter seiner Kunst stehen, die er schließlich durch seine Arbeit auch verkörpert. Im Fall der Kunst, deren Künstler man nicht mehr begegnen kann, oder über die es keine Aufzeichnungen gibt, fällt dies natürlich nicht ganz so leicht. Hierbei zählt dann vorrangig das Gefühl, das man beim Betrachten der Werke fühlt.

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Wie gehst du mit Kritik um?

H: Ich gehe sehr gelassen mit Kritik um. Ich komme aus einer Familie, die mit der Bildenden Kunst eher wenig am Hut hat und habe mich diesbezüglich schon durch viele kleine Diskussionen kämpfen müssen. Sturheit ist wahrscheinlich, wenn man sein Ziel unbedingt erreichen will, nicht von geringer Wichtigkeit, steht einem jedoch, wenn man sich nicht gerne einschränkt und freier arbeiten möchte, bestimmt im Weg. Ich kann mittlerweile gut bis sehr gut mit Kritik umgehen und letztlich sogar davon profitieren. Was ich künstlerisch dann in meinen Arbeiten umsetze bestimme wiederum nur ich alleine.

Was ist dir wichtiger: Kunst oder Liebe?

H: Oh, eine Fangfrage. Haha. Da die Liebe auf dieser Welt wohl der Antrieb für alles ist, ist es auch die Liebe, die mir am wichtigsten ist. Der eine liebt die Macht, der andere eine leckere Mahlzeit – und ein wiederum anderer liebt eben die Kunst. Ohne die Liebe zur Freiheit und ohne den Willen sich für das Richtige stark zu machen gäbe es doch gar keine Kunst, Musik, Philosophie, oder was einem sonst noch so einfällt. Liebe ist eben einfach der Ursprung. Also das war jetzt tiefgründig. Diese Frage werde ich mir bestimmt merken (lacht).

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Wo siehst du dich in fünf Jahren?

H: Mit meiner Liebsten in einer schönen Wohnung. Um uns herum gibt’s dann selbstverständlich nur nette Nachbarn, reichlich Natur, durchschnittlich 31 Grad und Basketballkörbe mit Netzen. Man muss die Dinge im Geiste schon im Vorfeld manifestieren – dann wird es mit der Umsetzung einfacher. “Practice what you preach”, “Nichts geschieht ohne Grund” und noch irgendwas mit Karma.

 

Die anderen Künstler der Serie:

SchwarzWeißBunt: Frëd Collant

Pascal Hof
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