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Snacks – das sind die Happen, die man sich ab und zu in den Rachen wirft und die manchmal ein schlechtes Gewissen hinterlassen. Doch Snacks – das ist auch eine Band aus Berlin, bestehend aus dem Neuseeländer Rene Corbett (Foto oben, links) und Aljoscha Babel, der aus Kirchheim stammt. Die beiden machen Musik mit Herz und für die Seele. Uns verrieten die beiden, welche Rolle Tischtennis bei ihrer Gründung gespielt hatte und worin der Unterschied zwischen dem Schwabenland und der Hauptstadt liegt.

Interview und Fotos: Linda Ambrosius – Redaktion: Marcel Schlegel


Wie habt ihr beiden euch eigentlich kennengelernt?

RENE: „Wir sind uns in einer Tischtennis-Bar in Berlin-Kreuzberg das erste Mal über den Weg gelaufen. Als wir dort gemeinsam Rundlauf spielten und Bier tranken, ist uns aufgefallen, dass wir beide einen gemeinsamen Bekannten haben. Wir haben uns also einmal kurz ,Hey’ gesagt und ein paar Worte gewechselt – und weiter gespielt.“

ALJOSCHA: „Genau. Und wir wussten nun voneinander, dass wir beide Musik machen. Später, als ich ein Konzert geben durfte, habe ich mich an Rene erinnert, weil wir noch einen Drummer suchten. Ich fragte Rene, ob er Lust habe. Und schnell wurden wir Freunde.“

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Am Anfang warst du also nur „the little drummer boy“, Rene?

R: „Ja, irgendwie schon. Ich hatte damals schon einige eigene Sachen produziert, aber für das Projekt von Aljoscha, ja, da war ich zunächst ,nur’ der Drummer.“

Wie würdet ihr eure Musik beschreiben?

A: „Anfangs war es eine Mischung aus Funk und Disco, aber auch Techno. Die neuen Sachen sind schwer in eine Schublade zu packen: ein Song klingt nach Radiohead, ein anderer ist wieder ein klassischer House-Track.

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R: „Die Musik, die wir machen, hängt stark von der Art der Musik ab, die wir gerade hören. Wir lassen uns also von vielerlei Genres inspirieren, ohne dabei unseren eigenen ,Snacks-Sound’ zu verlieren. Immer soll unsere Musik eine positive Grundstimmung haben, immer soll sie Spaß machen und nicht so düster klingen wie das hier in Berlin oft der Fall ist. Am Ende ist uns dann auch egal, in welches Genre unsere Musik von anderen eingegliedert wird.“

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SNACKS @ FACEBOOK

SNACKS @ SOUNDCLOUD

SNACKS @ WE WANT LOVE EP

 

Aber was zeichnet den angesprochenen Snacks-Sound dann konkret?

A: „Seine positiver Art. Und dass er oft einen Live-Charakter aufweist.“

R: „Ja, wir haben einige musikalische Freunde, die für uns Instrumente spielen oder singen. Auf diese Weise bekommt unsere Musik einen gewissen Live-Flavour. Wir lieben es, uns spontan mit anderen Musikern zu treffen und einfach drauf los zu spielen.“

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Ihr habt beide schon Musik gemacht, bevor ihr euch beide kennenlerntet. Habt ihr euch seither musikalisch verändert?

A: „Ja, meine Wurzeln liegen im Hip-Hop. Ich war es gewohnt, mit Loops zu arbeiten und alte Musik zu samplen. Rene ist dagegen ein ,richtiger’ Musiker. Das färbt auf mich ab.“

R: „Aljoscha hat meinen Blick auf Musik sehr verändert und vor allem erweitert. In meiner Heimat Neuseeland gibt es keine wirkliche Szene für elektronische Musik. Er hat mich in diese Welt von House jeder Art eingeführt und mir all die großartigen Künstler gezeigt, die es nie in den Mainstream geschafft haben und die ich daher in Neuseeland nicht auf dem Schirm haben konnte. Außerdem habe ich von Aljoscha viel über das Produzieren, das Mischen und so weiter gelernt. Und ich brachte ihm dafür Musiktheorie bei.“

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A: „Tatsächlich hat Rene in Sachen ,Mixing’ und ,Engineering’ sehr schnell sehr viel gelernt, wodurch ich selbst wieder dazu lernen konnte. Ich habe zudem die Schwäche, dass ich meine Songs einfach nie abschließe. Rene hingegen ist super im Fertigstellen von Songs. Ich hüpfe immer von Loop zu Loop und zeige es dann Rene: ,Schau mal, das musst du Dir anhören’.

 

Er antwortet dann oft: ,Ja, klingt gut. Aber nun muss du es auch zu Ende bringen.’ Das hilft mir sehr.

 

Wie spielt da die angesprochene Musiktheorie rein?

A: „Manchmal merkt man, dass etwas fehlt – und da kann die Theorie helfen. Und gerade Rene versteht sich darin sehr gut.“

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Woher weißt du das alles, Rene?

R: „Ich habe in Neuseeland einen entsprechenden Abschluss gemacht. Aber wie sich herausstellte, ist das so ziemlich der überflüssigste Degree, den man haben kann – in einer kommerziellen Welt wie der unseren.“

 

Für uns nahmen Snacks einen exklusiven 0711Mix auf, den ihr euch auf unserem Mixcloud-Kanal reinziehen könnt:

 

Warum kamst du nach Deutschland?

R: „Ich war von Neuseeland irgendwann gelangweilt, alles ist etwas ruhiger dort. Ich spielte in Hochzeitbands und gab Schlagzeugunterricht. Ich hätte dort bleiben können und das tun, was ich schon ewig mache und irgendwann würde ich dort sterben. Ich beschloss, dass es Sinn macht, meine Komfortzone zu verlassen und so bin ich 2012 nach Europa gekommen. Ich habe auch einen holländischen Pass, mein Opa ist Holländer.“

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Bevor du hierher kamst, was wusstest du über Deutschland?

R: „Deutsche sind direkt, pünktlich, ordentlich – die typischen Klischees.“

Aljoscha, du kommst ursprünglich aus Kirchheim. Warum zog es dich nach Berlin?

A: „Ich bin nun seit fast acht Jahren hier. Ich kam zunächst, um meinen Zivildienst abzuleisten hierher, war DJ und ich wusste natürlich, dass die Szene für elektronische Musik in Berlin sehr cool ist. Anfangs habe ich nur gefeiert und gearbeitet. Ich kam kaum zum Musikmachen. Als dazu kam und ich erste DJ-Jobs hatte, bin ich geblieben. Es war natürlich schon ein großer Schritt vom beschaulichen Kirchheim in die Hauptstadt.“

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Was vermisst du aus deiner schwäbischen Heimat?

A: „Das Essen! Gute Bäcker, gute Metzger. Hier muss ich immer ewig suchen, bis ich einen guten Bäcker finde …“

Als ihr das erste Mal zusammen musiziert habt, hättet ihr gedacht, dass ihr euch auch noch drei Jahre später zusammen arbeiten werdet?

A: „Nicht wirklich. Ich wusste damals von Rene ja nur, dass er seit drei Monaten hier ist und wieder zurück nach Neuseeland gehen wird. Einen Plan gab’s nicht.“

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R: „Es begann einfach so, unverbindlich – und wurde immer mehr. Wir hörten die gleiche Musik, tauschten uns aus und dann passierte es, dass wir auf einem Zehn-Stunden-Bustrip nach Warschau begannen, Musik zusammen zu machen?“

Im Bus, Rene?

 

Ja, unser erster Song entstand im Bus: ,Purdie’! Völlig ungeplant …

 

Worin unterscheidet sich eure Musik als Solokünstler von Snacks-Sound – im Duo also?

A: „Eine komplett andere Musik: Aljoscha und Rene ist mehr wie Trance (lacht). Snacks ist etwas anderes …“

R: „Etwas komplett anderes. Es kommen auch komplett andere Menschen dann zu uns auf den Dancefloor.“

A: „Die nackt tanzen.“

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Nackt?

A: „Ja, in Paris. Das war eine verrückte Nacht.“

Wieso eigentlich ,Snacks’?

R: „Wir hatten mal wieder über Facebook uns über Songs ausgetauscht. Die Konversation war cool, deshalb gaben wir ihr den Namen ,Snacks’. Und jeder doch mag Snacks, oder?“

 

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