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In der Serie „0711er der Woche“ stellen wir euch jeden Montag einen Stuttgarter vor, den man unter Umständen kennt – und doch nicht so recht kennt. Leute, die unsere Stadt durch ihr Schaffen auf verschiedenste Art bereichern, aber oftmals doch im Hintergrund bleiben. Menschen wie du und ich, die ihren Teil dazu beitragen, dass Stuttgart das ist, was es ist: unsere Stadt, die Mutterstadt. Nachdem wir mit dem jeweiligen 0711er etwas Zeit verbringen, verewigen sie sich in unserem 0711er Buch.


Sie hat ein Händchen für köstliche Torten und Kuchen und ist ein echtes Sonntagskind: Jasmin Schlaich kennen die meisten wahrscheinlich durch ihren Blog „Oh, wie wundervoll“, auf dem sie ihre neuesten Kreationen vorstellt. Wir haben uns bei einer gemeinsamen Back-Session von ihren Künsten überzeugen lassen.

Ein Text von Maren mit Fotos von Saeed

 

Jasmin empfängt uns in ihrer herrlich verspielt eingerichteten Wohnung am Marienplatz. Anfang des Jahres hat sie ihr erstes Backbuch „Lavacakes“ rausgebracht. „Der Verlag hatte die Idee mit den Lavacakes und hat eine Autorin gesucht. Dann kamen sie auf mich zu und haben gefragt, ob ich nicht Lust hätte das zu machen“, erzählt sie. Lavacakes sind Kuchen mit flüssigem Kern und laut Jasmin der perfekte Nachtisch für Ungeduldige, da sie nur ein paar Minuten im Ofen brauchen.

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Die Leidenschaft für das Backen liege in der Familie, erzählt Jasmin. Die habe sie von ihrer Oma und ihrer Mama mit auf den Weg bekommen. Schon als Kind backte man im Hause Schlaich reichlich. Damals der Einfachheit halber noch mit Rezepten, bei denen man alles mit Tassen abmessen konnte. Heute stellt Jasmin all ihre Rezepte selber zusammen – so auch für die Blaubeer-Marmor-Muffins, die wir nach dem Gespräch mit ihr zusammen gebacken haben. Ob sie selbstkritisch sei? „Total! Ich denke oft ,Hm, das schmeckt nicht so richtig’, aber alle anderen sind immer total begeistert, wenn es Kuchen gibt.“ Das größte Kompliment habe sie einmal von ihrer Oma bekommen: für eine Biskuitrolle, die nicht mal besonders schön aussah, sagt Jasmin – und lacht.

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Auf ihrem Blog „Oh, wie wundervoll“ teilt Jasmin ihre Back- und Bastelleidenschaft mit ihren Lesern. Wöchentlich postet sie ihre neuesten Kreationen, die einem beim Anblick das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen. Weil sie stets ohne Rezepte backt, gab es nie einen Ort, an dem all ihre Kreationen geordnet und gesammelt waren. Schließlich hatte eine Freundin die Idee mit dem Blog. Der Gedanke überzeugte sie nicht sofort, aber letztendlich ließ sie es auf einen Versuch ankommen. „Dann hat mich halt irgendwann der Ehrgeiz gepackt. Weil ich dachte, wenn ich da so viel Zeit investiere, will ich, dass es auch erfolgreich wird.“ Die nötigen HTML-Skills und das Fotografieren hat sich die ehrgeizige 25-Jährige selber angeeignet.

Der Name „Oh, wie wundervoll“ spiegele einen Teil ihrer Persönlichkeit wieder, erklärt Jasmin. Sie sei eigentlich immer glücklich und zufrieden und teile diese Lebenseinstellung gerne mit anderen. Solche Glücksmomente sind für sie zum Beispiel, wenn sie jemanden zum Lachen bringt, die Sonne scheint oder die Blumen anfangen zu blühen. „Also eigentlich total einfache Sachen, wo du dann so stehen bleibst und denkst: ,Ah, voll schön’“, fährt sie fort.

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Eigentlich sei sie die Ungeduld in Person. „Es muss immer alles schnell gehen.“ Deswegen sind die Menschen in ihrem Umfeld immer wieder erstaunt darüber, dass sie sich für das Backen so viel Zeit nimmt. Einmal wöchentlich postet sie etwas auf ihrem Blog. Dafür schaufelt sie sich gerne einen ganzen Tag frei. Zeit, die nur ihr gehört, denn sie backt am liebsten alleine. „Wenn ich eine stressige Woche hatte, backe ich gerne freitags, am Abend nach der Arbeit. Ich finde das voll entspannend“, schildert sie. Wenn es ums Essen geht teilt sie wiederum gerne. Oft habe sie auch gar keine Lust auf den ganzen Süßkram, führt sie weiter aus. Die Kuchen verschenkt sie dann großzügig an andere, zum Beispiel an ihre Arbeitskollegen. „Ich backe voll gerne und freue mich, wenn es andere mögen.“

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Die Wahl-Stuttgarterin kommt aus der Nähe von Balingen, aus einem kleinen Dorf namens Rosenfeld-Bickelsberg. Für ihr BWL-Studium an der dualen Hochschule Stuttgart ist Jasmin 2009 in die Landeshauptstadt gezogen. Nach ihrem Abschluss hat sie die Gelegenheit beim Schopfe gepackt – und sich für einen Ortswechsel entschieden. Doch nach einem Jahr in Wiesbaden trieb sie das Heimweh wieder nach Stuttgart. „Wenn ich zu meinen Eltern gefahren bin, musste ich in Stuttgart umsteigen. Dabei war ich immer total traurig und musste am Bahnhof fast jedes Mal anfangen zu weinen“, erinnert sich Jasmin zurück. Seit zweieinhalb Jahren ist sie nun zurück in der Mutterstadt und ist überglücklich hier.

Aktuell macht Jasmin ein duales Masterstudium bei Bosch. Ob ihr das nicht manchmal zu viel sei mit Arbeiten, Studium und dem Blog? „Ich glaube, das ist alles eine Organisationsfrage“, erklärt sie. Sie teile sich das gut ein und bekomme so alles unter einen Hut – eine echte Powerlady eben. Ihre kreativen Ausflüchte seien ein Ausgleich zu ihrem Job. Neben dem Backen gibt es da noch eine zweite Leidenschaft: das Basteln. Dabei kommen dann hübsche Deko-Elemente für ihre eigenen vier Wände heraus, wie ein Origami-Mobile, originelle Seifenspender, selbstgemalte Bilder oder aber Geschenke für Freunde. Wenn Jasmin nicht gerade backt oder bastelt, trifft man sie oft beim Sonnetanken am Marienplatz. Oder aber Kaffee schlürfend im Herbert’z „weil es da diese leckeren Croissants mit Ei gibt“. Als Landkind schätzt sie an Stuttgart, dass man so schnell im Wald und in der Natur ist.

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Neben dem Blog sucht sie gerne den direkten Kontakt zu ihren Lesern. So entstand letztes Jahr die „wundervolle Pop Up Bakery“ im Schwabennest. Dort versorgte sie ihre Gäste mit selbstgebackenen Kuchen, Torten und anderen Köstlichkeiten. „Mama und Oma bringen meistens auch noch welche mit, weil die das ja ganz toll finden.“ Für das Frühjahr ist wieder etwas in der Art geplant – man darf gespannt bleiben.

Sie würde auch gerne mal ein Backbuch nur mit Obstkuchen machen, die mag sie nämlich am liebsten. „Auch wenn die meistens nicht ganz so dekorativ aussehen.“ Ein nächster Meilenstein wäre vielleicht irgendwann mal ein eigenes Café, in dem sie ihre Kuchen verkaufen kann. Aber erst mal heißt es fertig studieren und richtiges Geld verdienen.

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Noch etwas Zuckerguss und die 0711-Muffins können sich sehen lassen, yammi. Wir sind gespannt, wie es bei dir weitergeht, liebe Jasmin!

 

Blaubeer-Marmor-Muffins mit Zuckerguss

Zutaten:

150g Butter
3 Eier
150g Zucker
1TL Backpulver
100g Mandeln
120g Mehl
50ml Milch

70g Heidelbeeren (am besten selbst im Wald gesammelt)
1 Kardamom-Kapsel

200g Puderzucker
3EL Zitronensaft

Zubereitung:

  1. Heidelbeeren mit der zerdrückten Kardamom-Kapsel aufkochen, die Kapsel herausnehmen und die Heidelbeeren kurz pürieren.
  2. Den Backofen auf 180Grad vorheizen. Inzwischen die Butter mit dem Rührgerät schaumig schlagen und langsam den Zucker einrieseln lassen. Eier nach und nach unterrühren – jedes Ei mindestens 1 Minute einrühren.
  3. Mehl mit Mandeln und Backpulver mischen und zusammen mit der Milch zu der Butter-Eier-Zucker Mischung geben. Ein Muffinblech mit Papierförmchen auslegen und die Hälfte des Teigs auf die Förmchen verteilen.
  4. Unter den restlichen Teig die Heidelbeeren rühren, bis er dunkellila ist. Dann den Heidelbeer-Teig ebenfalls in den Förmchen verteilen. Mit einer Gabel einmal durch die Muffins rühren – wie ein Strudel, damit die Muffins wie Marmorkuchen aussehen.
  5. Die Muffins bei 180 Grad auf mittlerer Schiene 25 Minuten backen. Dann auf ein Kuchengitter geben und auskühlen lassen.
  6. Für den Zuckerguss den Puderzucker mit Zitronensaft mithilfe einer Gabel zu einer leicht flüssigen Masse rühren und über den Muffins verteilen. Fertig.

 

 

 

NAME … Jasmin Schlaich

ALTER … 25

HERKUNFT … Balingen

STADTTEILSüd

WAS ICH SO MACH’ … backen, darüber bloggen, studieren

MEIN LIEBLINGSORT IN STUTTGART IST … das Landschaftsschutzgebiet zwischen Süd und Degerloch

GLÜCKLICH MACHEN KANN MAN MICH MIT … Spaß & guter Laune

MEIN PERFEKTES WOCHENENDE VERBRINGE ICH MIT … meiner Familie oder Freunden und gutem Essen und einem Spaziergang durch den Wald

ICH KANN NICHT OHNE … frische Blumen

DAS SOLLTE MAN GESEHEN HABEN … Baby-Elefanten beim Sonnenaufgang im Etosha Nationalpark in Namibia

DAS MACHE ICH, WENN KEINER ZUSCHAUT … (und keiner zuhört) mit meiner 90-jährigen Großtante laut auf schwäbisch telefonieren

ICH WÜRDE NIEMALS … eine Stunde auf jemanden warten

ICH LIEBE AN STUTTGART … dass man ganz einfach über die ganze Stadt sehen kann

ICH HASSE AN STUTTGART … die vielen Autos und vielen Menschen Samstags in der Stadt

WENN NICHT STUTTGART, DANN … Kapstadt oder Zürich

DAS HABE ICH IMMER IM GEPÄCK … Mein Notizbuch für spontane Ideen

WENN ICH MORGENS AUFSTEHE, MACH ICH DAS IMMER ZUERST … Wasser für Tee kochen

SO KRIEGT MAN MICH RUM … mit lachen

WENN ICH DIE FREIE WAHL HÄTTE, WÜRDE ICH HEUTE ABENDESSEN MIT … meinen Eltern & Großeltern

UND ZWAR WO? … bei mir mit selbstgekochtem Essen

STUTTGART, ICH WOLLTE DIR SCHON IMMER EINMAL SAGEN … ich mag dich sehr gern!

 

Maren Wiesner
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