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In der Serie „0711er der Woche“ stellen wir euch jeden Montag einen Stuttgarter vor, den man unter Umständen kennt – und doch nicht so recht kennt. Leute, die unsere Stadt durch ihr Schaffen auf verschiedenste Art bereichern, aber oftmals doch im Hintergrund bleiben. Menschen wie du und ich, die ihren Teil dazu beitragen, dass Stuttgart das ist, was es ist: unsere Stadt, die Mutterstadt. Nachdem wir mit dem jeweiligen 0711er etwas Zeit verbringen, verewigen sie sich in unserem 0711er Buch.


Wer Elbert mit Nachnamen heißt, dem Neckar jedoch immer treu geblieben ist, hat den Titel des „0711er der Woche“ definitiv verdient. Als Journalist und DJ hat sich Martin Elbert nicht nur dem Stuttgarter Westen, sondern auch dem Texten und smoothen Tönen verschrieben. Der 39-Jährige ist Mitbegründer des Stuttgarter Blogs ‚Kessel.TV‘ und entkräftet mit seiner Art zu schreiben sämtliche Vorurteile, mit denen die ach so spießigen Schwaben seit jeher zu kämpfen haben. Warum Stuttgart heute so gut ist, wie nie und wie er vom Physik-Studium zum Schreiben kam, hat er uns bei einem Plausch mit Blick über Heslach erzählt.

Ein Text von Alessandra mit Fotos von Saeed

Geboren und aufgewachsen bei Stuttgart-Weilimdorf, zog es das „Vorstadtkind“, wie er sich selbst bezeichnet, im Jahr 2001 in den Stuttgarter Westen. Wer an dieser Stelle eins und eins zusammenzählt, kommt nicht umhin zu bemerken, dass der heute 39-Jährige also bereits seit 15 Jahren dort lebt. Reife Leistung! Aber nicht umsonst gilt die Stuttgarter Westside als eine der schönsten Ecken des Kessels. (Und das sagen wir jetzt nicht, weil die Hälfte unseres Blog-Teams dort wohnt.)

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Zurück zu Martin: „Ich mach‘ letztendlich hauptberuflich alles, was mit Text zu tun hat“, sagt Martin und fährt fort, „von Artikeln für die Stuttgarter Zeitung, fürs LIFT Magazin über PR und Texten für Websites und Social Media war schon alles mit dabei.“

Nicht schlecht, Herr Specht. Aber wie kommt man eigentlich dazu? Was er eigentlich gelernt hat, wollen wir wissen. „Nach meinem Abi 1996  habe ich erst mal einen Zivi gemacht und angefangen, zwei Jahre Physik zu studieren.“ Im vierten Semester musste er allerdings feststellen, dass Physik im Grunde genommen doch nur ein „Schulfurz“ war, für den er zwar eine leichte Begabung hatte, für den sich seine Begeisterung im Studium allerdings in Grenzen hielt. Aus diesem Grund brach er sein Studium im Sommer 1999 ab. „In einer Anzeige hab‘ ich dann gesehen, dass Matthias Hauber vom re.flect Magazin. – damals noch Mehrflyer – Leute sucht, die Flyer für ihn ausfahren“, erzählt Martin. Gleichzeitig habe ihn außerdem ein Freund darauf aufmerksam gemacht, dass Matthias Hauber Leute suche, die für ihn schreiben.

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Ich weiß wirklich bis heute nicht, warum er da an mich gedacht hat. Ich hatte bis dato nämlich nichts in die Richtung gemacht.

Im Gegenteil, im Deutsch-Abi habe er sogar nur 5 Punkte geschrieben. „Ich hab‘ eine Textstelle nicht verstanden und hab‘ dann sinngemäß einfach reingeschrieben: ‚Ich hab‘ jetzt keinen Bock mehr‘“, erinnert er sich zurück. Heute scheine es jedoch irgendwie zu funktionieren, fährt er fort. „Ich bin halt irgendwie reingerutscht.“ Nachdem er eine Weile lang Flyer ausgefahren und Partyankündigungen geschrieben hatte, wurde im Herbst ’99 aus dem „Flyerverbund mit ein wenig Text“ das heutige ‚re.flect‘ Magazin (damals zunächst noch im A6-Format). „Ich war damals 22 und hab zu Matthias gesagt: ‚Du, mir macht das grad‘ Spaß, ich hab eh nichts zu tun – Ich kann jetzt mitarbeiten.‘“ Gesagt, getan, habe er sich dann „voll reingehängt“ und mehr oder weniger bald das ganze Heft organisiert und geschrieben.

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Eineinhalb Jahre später ging es dann im Herbst 2001 zum ‚Sub Culture Stuttgart‘ – einem weiteren Magazin, für das er sieben Jahre lang – gemeinsam mit dem Herausgeber Vlado Alagic – verantwortlich war. „Im Sommer 2008 hab‘ ich dann zusammen mit Thorsten Weh den Blog ‚ Kessel.TV ‘ ins Leben gerufen“, erzählt Martin. Die Idee, einen Blog zu gründen, sei daraus entstanden, den amüsanten Chat-Nachrichten von Thorsten und ihm eine Plattform zu geben. Was als harmlose ICQ-Unterhaltung begann, endete sozusagen mit der Idee, einen Blog ins Leben zu rufen.

Wir haben irgendwann gesagt: ‚Wir brauchen eigentlich eine Seite, auf der wir den ganzen Quatsch, den wir hier so schreiben, hochladen.

Was den Up-To-Date-Faktor anging, war so ein Blog 2008 – im Zeitalter von Myspace, StudiVZ und Co. – auf einer Skala von 1 bis 10 sozusagen eine glatte 20. Seine Schwester habe ihm dann die Seite programmiert und Kollege Mario Krupa das Design übernommen. „Und dann sind wir vor acht Jahren online gegangen“, sagt Martin und merkt an, dass es ohne Facebook-Fanseite anfangs jedoch gar nicht so leicht gewesen sei, Leute auf den Blog aufmerksam zu machen. Das habe sich erst nach und nach ergeben, erzählt der 39-Jährige.

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Heute machst du ‘ne Fanpage auf – neuer Blog, alle jubeln, teilen es durch. Die Funktion hatten wir ja damals gar nicht. Wir mussten schauen, dass sich das so rumspricht.

Mittlerweile seien die Besucherzahlen aber stabil. Und das zu recht, wie wir finden. Denn Kessel.TV ist immer wieder für einen Lacher und die ein oder andere Überraschung gut. So auch das neuste Projekt – das übrigens morgen stattfinden soll: Der erste lange Kessel.TV Stadtbahn-Tag. Was das sein soll? Sagt ja eigentlich schon der Name: Team- Kessel.TV fährt den ganzen Tag Stadtbahn. „Alle Linien – alle Endhaltestellen. Da freu‘ ich mich echt extrem drauf“, lacht Martin. Wir dürfen also gespannt sein, denn natürlich wird es den Bericht dazu im Anschluss auf dem Blog zum Nachlesen geben.

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Wenn Martin nicht gerade damit beschäftigt ist, mit der U-Bahn vom Mönchfeld nach Nellingen zu fahren, schmeißt er nachts auch gerne mal die ein oder andere Platte auf die Teller der Stuttgarter Clubs. Mit dem DJing habe er bereits im Alter von 16 Jahren angefangen. „Das hat mich einfach interessiert. Aber hättest du mir vor 15 Jahren gesagt, dass ich mal jede Woche in Stuttgart irgendwo aufleg‘, hätte ich dir ‘nen Vogel gezeigt“, sagt Martin.

Glück gehabt, dass wir im Hier und Jetzt leben und uns DJ ‚RAM‘ keine Vögel, sondern gute Musik um die Ohren haut. Denn neben der Corso Bar, dem Transit und dem Kottan, bringt er regelmäßig Stuttgarts People im People, der Schräglage, der Schankstelle und dem Kowalski zum Zappeln. Was die Club- und Barszene im Allgemeinen angehe, findet Martin, sei die Stadt so gut aufgestellt wie seit Jahren nicht mehr.

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Ich fand nicht alle Entscheidungen, die in Stuttgart getroffen worden sind, immer gut, aber es passieren viele gute Sachen in letzter Zeit, das darf man nicht vergessen.

Projekte wie der Umbau des Feuersee-Ufers, oder das ‚Fluxus‘ in der Calwer-Passage seien genau das, was der Stadt früher gefehlt habe, so Martin. Allein vom Gefühl her sei die Stadt viel belebter und offener geworden. „Auch der Marienplatz, ist ja so gesehen ‘ne riesen Betonplatte, aber die Leute haben sich das einfach genommen. Breiten ihre Decken aus und machen einfach das Beste daraus“, fährt er fort. „Und deswegen würde ich heute sagen, alles in allem, find‘ ich wie die Menschen heute in der Stadt zusammen kommen und zusammen leben, ist Stuttgart einfach nochmal ein Stück besser, als es noch vor ein paar Jahren war.“

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Wir finden, das kann man so stehen lassen und sagen danke Martin, dass du die Stadt mit deinen Texten und deiner Musik aufmischst und sie so noch ein Stückchen besser machst, als sie sowieso schon ist.

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Boomroom @HOMEPAGE

NAME … Martin Elbert – ALTER … 39

HERKUNFT … Stuttgart – STADTTEIL … West

WAS ICH SO MACH’ … Text, Musik, Kessel.TV

MEIN LIEBLINGSORT IN STUTTGART IST …  sehr viele, aber auf eine Laufzeit von 39 Jahren gesehen: der Bärensee. 

GLÜCKLICH MACHEN KANN MAN MICH MIT … Kurzen & Mopeds.

MEIN PERFEKTES WOCHENENDE VERBRINGE ICH MIT … Arbresha.

ICH KANN NICHT OHNE … Arbresha, Schallplatten, Rennrad & Laufschuhe.

DAS SOLLTE MAN GESEHEN HABEN … Die Kessel.TV Weihnachtsfeier, den einen Quadratmeter im Bergamo/Transit zwischen DJ-Pult und Bar und den Ausblick bei der Wielandshöhe.

DAS MACHE ICH, WENN KEINER ZUSCHAUT … Andrea Berg anhimmeln. 

ICH WÜRDE NIEMALS … Helene Fischer anhimmeln.

ICH LIEBE AN STUTTGART … hier sein zu dürfen.

ICH HASSE AN STUTTGART … Menschen, die Stuttgart hassen. 

WENN NICHT STUTTGART, DANN … Weissach im Tal. Oder Stuttgart. Oder Los Angeles. 

DAS HABE ICH IMMER IM GEPÄCK … Haribo DJ Brause, von Mama. 

WENN ICH MORGENS AUFSTEHE, MACH ICH DAS IMMER ZUERST … Ensinger RED ACE reinwürgen.

SO KRIEGT MAN MICH RUM … mit Kurzen. 

WENN ICH DIE FREIE WAHL HÄTTE, WÜRDE ICH HEUTE ABENDESSEN MIT … Jay-Z & Beyoncé .

UND ZWAR WO? … im Brunnenwirt. 

STUTTGART, ICH WOLLTE DIR SCHON IMMER EINMAL SAGEN … Wir brauchen keine Skyline, wir haben einen Kessel. 

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