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In der Serie „0711er der Woche“ stellen wir euch jeden Montag einen Stuttgarter vor, den man unter Umständen kennt – und doch nicht so recht kennt. Leute, die unsere Stadt durch ihr Schaffen auf verschiedenste Art bereichern, aber oftmals doch im Hintergrund bleiben. Menschen wie du und ich, die ihren Teil dazu beitragen, dass Stuttgart das ist, was es ist: unsere Stadt, die Mutterstadt. Nachdem wir mit dem jeweiligen 0711er etwas Zeit verbringen, verewigen sie sich in unserem 0711er Buch.


Das Leben ist doch ein Ponyhof. Zumindest, wenn man sich Sara Dahme anschaut. Denn die 32-Jährige wuppt mal eben gefühlte 80 Jobs und hat richtig Spaß dabei. Wir haben die Kunstlehrerin, Theater-Tante, DJane, Bauernhof-Boss(in) und Hobby-Rebellin auf eine Limo (oder zwei) im Stadtteilbauernhof Bad Cannstatt besucht –  und mit ihr über Kunst, Zukunftspläne und nächtliche Magic-Moments gequatscht.

Ein Text von Alessandra mit Fotos von Saeed

 

Aufgewachsen in einem kleinen Dorf in der Nähe von Ravensburg, war für Sara schon früh klar: “Ich will Medizin studieren”. Aus diesem Grund ging sie brav auf ein humanistisches Gymnasium und büffelte abwechselnd Altgriechisch und Latein. Doch dann kam alles anders: Durch einen Trick habe sie ihre damalige Kunstlehrerin dazu gebracht, ihre Mappe an die Kunst-Akademie in Stuttgart zu schicken: „Das war ganz lustig, sie meinte: ‚Wir machen einen Deal: Wenn du die letzte Klausur mit 15 Punkten schreibst, dann musst du‘s nicht machen, weil dann kannst du‘s ja eh‘. Und dann dachte ich, das ist ja mal ein cooler Deal”, erzählt Sara. “Und wie das so ist, der Deal mit dem Teufel, das kennt man ja, ging nicht so gut aus – ich hab‘ dann die Klausur zurückbekommen – es waren 14 Punkte und daneben hatte sie einen Smiley gemalt.“  Also habe sie gemeinsam mit ihrer Lehrerin ihre Mappe zusammengestellt und abgeschickt. So kam es, dass Sara sich statt Kuh-Mägen fortan der Kunstgeschichte und Philosophie widmete.

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Neben ihrem  Job als Kunstlehrerin am Max-Born-Gymnasium in Backnang, arbeitet die Frau mit dem nicht immer gesellschaftstauglichen Humor, wie sie uns verrät, außerdem als Vorstand auf dem Stadtteilbauernhof Bad Cannstatt. Dieser sei eine Art Jugendfarm, auf der Stadtkinder die Möglichkeit bekämen, Tiere live zu erleben, wenn sie nicht gerade in Form eines Steaks im Tiefkühlfach liegen, so Sara.

 

Ich kann mich immer ganz schlecht auf etwas festlegen und da ich so viele Dinge toll finde, hat sich eben mit der Zeit einfach ergeben, dass ich nebenher noch viele andere Sachen mache.

 

Zu diesen „vielen anderen Sachen“ gehören beispielsweise Führungen in der Staatsgalerie. Hier hat die Frau, die niemals schläft (nur so können wir uns das alles erklären), mittlerweile sogar ihr eigenes Format namens „Super Sound Sculpture“. Gemeinsam mit Andreas Vogel vom Theater Rampe versuche sie hier über Musik und Popkultur eine Brücke zur Kunstgeschichte zu schlagen. „Das ist total cool, wir haben einen kleinen Bollerwagen mit einem Plattenspieler drauf und dann erkläre ich etwas über das Kunstwerk, über den Künstler und über die Zeit – und Andreas lässt währenddessen einen Track laufen und erklärt, warum er das jeweilige Lied dazu ausgewählt hat.“ An dieser Stelle trete dann meist der altbekannte „Aha-Effekt“ ein, lacht Sara. An ihrer Arbeit fasziniere sie vor allem die Tatsache, Menschen Kunst näher zu bringen und ihnen das zu vermitteln, was sie selbst etwa beim Anblick eines Donald Judd (googeln Sie, werter Leser) verspüre.

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Für alle, die gerne mal ins Museum gehen wollen, aber Angst haben, sich doof anzustellen, sei ihr Format „Kunstbanausen“ ideal, schwärmt Sara. Hier rede sie infotainmentmäßig über die Epochen und unterschiedliche Künstler. „Am Ende merken die meisten, dass das alles gar nicht so schlimm ist.“ Außerdem habe sie seit letztem Jahr ein Format namens „Sara Dahme trifft …“ in der Sammlung Froehlich und gebe manchmal auch noch Zeichenkurse als Gastdozentin an der Uni Stuttgart. „Und dann mach ich noch ‚Wort trifft Bild‘“, sprudelt es aus ihr heraus. Und als ob das alles noch nicht genug wäre, legt die Stuttgarterin gelegentlich – so ganz nebenbei – gemeinsam mit Uli Cluss im Rahmen der Party-Reihe „Teach me Tiger“ auf und leitet die Diskussionsrunde „Auf den ersten Blick“ im Theater Rampe.

 

Und dann gibt’s ab September noch was Lustiges. Wer aufmerksamer Zeitungsleser ist, der wird da was entdecken. Mehr sag’ ich dazu nicht.

 

 

Wer jetzt denkt, dass ihr das alles zu viel werden könnte, irrt sich gewaltig. Auf die Frage, was sie gerne sonst noch so in ihrem Leben machen würde, hat sie – wer hätte es gedacht – sofort ein, zwei Antworten parat:  „Ich würde gern mal alleine eine Ausstellung kuratieren. Oder ich will von Mexiko nach Kanada reiten mit einem Cowboy. Dann würde ich gerne selber ein Muscle-Car reparieren und Japanisch sprechen können. Ach, ja und ein Road Trip durch Amerika wäre auch noch super.“

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An Stuttgart gefallen ihr besonders die Menschen – aber die seien eh überall das Wichtigste, „ganz egal in welcher Stadt“, findet Sara. Nur das mit dem Flirten müsse man im Ländle noch üben. „Ich finde, dass Stuttgart da schon sehr speziell ist. Hier wird einfach viel zu selten geflirtet.“ In New York sei das ganz anders, verrät sie. Dort sei alles mega-magic!

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Die beste Szene habe sich nachts um 3 Uhr in der U-Bahn zugetragen: „Da stieg so ein mega cooler Typ ein – ich hab‘ mich nicht mal getraut zu ihm rüber zu schauen, so cool war er. Und auf einmal setzt er sich einfach neben mich und sagt: ‚A lov‘ ya‘ shoes‘ und ich bin schier gestorben, gell, Wahnsinn“, lacht Sara und verrät: „Immer wenn ich mal flirten will, dann klappt‘s halt überhaupt gar nicht. Das ist bei mir die totale Nullnummer. Ich kann das einfach überhaupt nicht.

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Was uns angeht, muss sie das auch gar nicht können, wir sind auch so schon hin und weg von dieser Frau. Bleibt nur noch eines zu sagen: Liebe Sara, wir finden dich einfach MAGIC und freuen uns schon auf einen weiteren Besuch auf dem Bauernhof, gefolgt von einer Führung durch die Staatsgalerie und einem gemeinsamen Drink bei „Teach Me Tiger“, das am 28. Mai in eine neue Runde geht.

Sara hat uns auch was Tolles gemalt …

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NAME … Sara Dahme – ALTER … 32

HERKUNFT … Ravensburg – STADTTEIL … Mitte

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WAS ICH SO MACH’ … Kunstvermittlung, Networking & lustige Projekte

MEIN LIEBLINGSORT IN STUTTGART IST … das Theater Rampe und mein Bett

GLÜCKLICH MACHEN KANN MAN MICH MIT … man muss mich nicht glücklich machen

MEIN PERFEKTES WOCHENENDE VERBRINGE ICH MIT … meinen Freunden auf dem Stadtteilbauernhof oder allein in London

ICH KANN NICHT OHNE … Sonne

DAS SOLLTE MAN GESEHEN HABEN … “Sündenbock” Stück von Nina Gühlstroff, “I am love” von Luca Guadagnino

DAS MACHE ICH, WENN KEINER ZUSCHAUT … die Brillen meines Mitbewohners tragen

ICH WÜRDE NIEMALS … die Zeit zurückdrehen

ICH LIEBE AN STUTTGART … meine Freunde

ICH HASSE AN STUTTGART … nichts

WENN NICHT STUTTGART, DANN … Wien oder Rotterdam oder NYC

DAS HABE ICH IMMER IM GEPÄCK … ein vergoldete Zyankalikapsel & Taschentücher

WENN ICH MORGENS AUFSTEHE, MACH ICH DAS IMMER ZUERST … Jenny und Sputnik füttern (WG-Katzen)

SO KRIEGT MAN MICH RUM … tja, wenn ich das wüsste…

WENN ICH DIE FREIE WAHL HÄTTE, WÜRDE ICH HEUTE ABENDESSEN MIT … Madame Pompadour & Martin Kippenberger

UND ZWAR WO? … in Scopello (Sizilien)

STUTTGART, ICH WOLLTE DIR SCHON IMMER EINMAL SAGEN: Du bist schon ganz okay!

 

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