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In der Serie „0711er der Woche“ stellen wir euch jeden Montag einen Stuttgarter vor, den man unter Umständen kennt – und doch nicht so recht kennt. Leute, die unsere Stadt durch ihr Schaffen auf verschiedenste Art bereichern, aber oftmals doch im Hintergrund bleiben. Menschen wie du und ich, die ihren Teil dazu beitragen, dass Stuttgart das ist, was es ist: Unsere Stadt, die Mutterstadt. Nachdem wir mit dem jeweiligen 0711er etwas Zeit verbringen, verewigen sie sich in unserem 0711er Buch.

Ab sofort gibt es neben unseren regulären “0711ern” auch das “0711er Doppelpack”. In diesem stellen wir euch zwei Stuttgarter vor, die nicht nur auf eigene Faust können, sondern die Stadt mit vereinten Kräften ein Stück l(i)ebenswerter machen.


“Alles Gute kommt von oben” – ein Sprichwort, das unser Doppelpack wörtlich genommen und in die Tat umgesetzt hat. Gemeinsam haben Valerie Hoffmann und Daniele Ferrazzano einen „Creative Space“ geschaffen, bei dessen Anblick die Synapsen eines jeden Kreativen Achterbahn fahr’n: Oben Studio heißen die cleanen vier Wände, in denen künftig Workshops, Lesungen, (Release-)Partys oder Ähnliches gehalten bzw. gefeiert werden können und sollen. Neben dem Studio haben die beiden natürlich jeweils eigene Projekte – aber lest selbst.

Ein Text von Alessandra mit Fotos von Felix

In Teil 1 unserer Doppelpack-Reihe stellen wir euch zunächst „Vali“ vor. Die 33-Jährige ist durch und durch Stuttgarterin. Und zwar Feuerbacherin, wie sie betont. Hier sei sie geboren und aufgewachsen und habe sich dank ihres Vaters, der sehr aktiv in der italienischen Community war, schon immer wohlgefühlt.

Ich bin Feuerbacherin. Ich liebe es. Ich war viel unterwegs bisher, bin aber immer wieder zurückgekommen.

Unterwegs war die Halbitalienerin vor allem auch immer wieder aufgrund ihres PR-Jobs, in den sie mehr oder weniger reingerutscht sei. „Ich wollte eigentlich in die Kunst“, verrät uns Valerie. Bei einem Job im Verkauf im Stuttgarter Concept-Store „Bungalow“ in der Stiftstraße, sei ihr Chef damals auf sie zugekommen und habe sie gefragt, ob sie nicht Lust hätte, den Blog und die Social-Media-Kanäle zu betreuen. Sie habe nicht lange gefackelt und letztendlich die gesamte PR für den Laden übernommen. „Ich wollte gerade studieren gehen und dachte dann aber: Das ist echt ‘ne super Chance.‘ Und das hat sich super gut entwickelt.“

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Von da an war die Vollblut-Neapolitanerin maßgeblich für die Außendarstellung der Onlineplattform „Bungalow Gallery“ und auch den Concept-Store verantwortlich, reiste geschäftlich nach Mailand und Paris, wo sie auch Fashion-Shows besuchte und mit Fashionbrands wie Prada, Tom Ford, Dolce & Gabbana und Acne zusammenarbeitete. „Das war total aufregend. Einmal stand Anna Dello Russo (Chefredakteurin der Japanischen Vogue) direkt neben mir. Ich konnte nicht anders und musste sie die ganze Zeit anstarren“, erzählt Valerie lachend. Davon wiederum war ihr Chef ganz angetan und belächelte das Szenario auf eine “ganz süße” Weise.

Das hab‘ ich ziemlich lange gemacht. Ich habe viele Erfahrungen gesammelt, Kontakte geknüpft und dann dachte ich, ‚okay jetzt mach‘ ich mal was anderes‘.

Kochen zum Beispiel. Und zwar ziemlich gut. Davon kann und darf sich jeder beim „Open Dinner“ überzeugen. Das findet seit Juni diesen Jahres in regelmäßigen Abständen im Hinterhof unseres Doppelpacks statt und bringt – mit jedem der insgesamt drei Gänge – ein Stück „dolce vita“ in den Kessel. Kochen habe schon immer eine große Rolle in ihrem Leben gespielt, erzählt Valerie und weiß, woran das liegt: An ihren italienischen Wurzeln natürlich. Klar. Woran sonst? Schon als kleines Kind habe sie selbst Pasta mit ihrer Nonna gemacht und gemeinsam mit Bruder Patrick, der beim Dinner mit ihr hinter dem Herd steht, Rezepte ausprobiert.

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Die Idee zum Dinner kam ihr, als Hobbymusiker Papa Giovanni mal wieder mit seiner Band auf einem Fest Italo-Klassiker zum Besten gab: „Alle meine Freunde fanden das so toll, dass ich irgendwann die Idee hatte, so ein Fest für Freunde und Bekannte zu organisieren. Einfach nur so für uns. So hat das alles angefangen.“

Bei der Suche nach der passenden Location habe dann der Zufall seine Finger im Spiel gehabt, erinnert sich „Vali“ zurück: „Ich habe damals in einem Fitnessstudio gearbeitet und einem der Gäste von meiner Idee erzählt.” Eine Party mit italienischer Musik, gutem Essen und noch besseren Freunden. Es stellte sich heraus, dass der Mann, dem die damals 21-Jährige von ihrer Idee erzählt hatte, Immobilienmakler war und gerade ein Haus gekauft hatte. „Er meinte nur: ‚Das Haus steht leer. Macht was ihr wollt.‘“ Gesagt, getan: Sofort trommelte Valerie all ihre Freunde zusammen.

Das war echt witzig – wir haben das ganze Haus vollgepackt: Tische, Stühle, Küche. Wir haben zusammen gekocht, gegessen und Musik gemacht.

Auf diesen ersten Abend sollten dann viele weitere folgen – immer in Off-Locations, an den unterschiedlichsten Orten der Stadt. Nach und nach seien immer mehr Freunde von Freunden mitgekommen. „Einmal waren wir in einem Rohbau einer Villa am Haigst. Irgendwann sind die Heizungen ausgefallen und ich war total verzweifelt.“ Aber die Gäste haben ganz cool reagiert, ihre Daunenjacken übergezogen und der Kälte und allen Befürchtungen getrotzt.

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Dann kam lange nichts. Aus dem einfachen Grund, weil es Valerie für sechs Monate nach Rom verschlug. „Das war wirklich eine tolle Zeit“, betont sie und erzählt, dass sie damals zusammen mit ihren Cousinen in einer „echten Weiber-WG“ wohnte. „Mitten in Rom. Das war fantastisch. Ich bin morgens raus und habe es richtig ausgekostet, dass ich nicht so viel arbeiten musste: Ich habe mir jegliche Kirchen und Museen angeschaut.“ Das sei die beste Zeit ihres Lebens gewesen, schwärmt Vali – was bei Freund Daniele für Entsetzen sorgt. Wir alle müssen lachen und sie fügt hinzu: „Außer meiner Zeit mit Daniele natürlich. Das ist nochmal was ganz Besonderes. Das kann man nicht vergleichen.“

Das erste Mal gesehen haben sich die beiden übrigens bei der Party „L’equipe en Vogue“, die Valerie für das legendäre KimTimJim organisierte. Dann sei man sich immer mal wieder zufällig über den Weg gelaufen, u.a. im Schwabennest und irgendwann sei es schließlich um die beiden geschehen.

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Im Schwabennest ging es übrigens auch mit den „Dinnern“ weiter. Denn Valerie erzählte Patricia, Freundin und Besitzerin der kleinen Pension, dass sie der Abend dort an ihre früheren Essen erinnerte. Die bot ihr daraufhin an, die Dinner bei sich im Schwabennest fortzuführen. Von Ramazzotti (und damit meinen wir nicht Eros) über unüberhörbare Bamboleo-Chöre bis hin zu Lambada-Tänzen sei alles dabei gewesen.

Die Abende waren echt immer ausschweifend. Junge, Junge, haben wir‘s da krachen lassen.

Irgendwann sei eine Mail von Fluxus-Betreiber Hannes Steim in Danieles Postfach geflattert, in der er dem Produktdesigner eine Fläche in der Calwer Passage anbot. „Wir waren so, ,ja hört sich cool an‘ und sind dann einfach mal hin.“ Im Gespräch seien sie auf die Idee gekommen, die ungenutzte Fläche im oberen Stock des „Café Bohème“ – das heute auf den schönen Namen „Holzapfel“ hört – dafür zu nutzen, Valeries Dinner wieder aufleben zu lassen.

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Und dann haben wir dort ab dem Tag der Eröffnung bis zum letzten Tag des Café Bohème unsere Dinner dort veranstaltet.

„Das war eine echt coole Erfahrung. Als das Café Bohème dann zugemacht hat, wussten wir erst mal nicht, wo es weitergeht.“ Kurze Zeit später habe sich die Besitzerin der Therapie-Praxis über ihrer gemeinsamen Wohnung in der Schlossstraße bei ihnen gemeldet und ihnen den Raum angeboten. „So kam eins zum anderen und damit auch die Idee, den Raum umzugestalten und für unsere Dinner zu nutzen.“ Neben den Essen wollten die beiden die Fläche aber auch anderen zur Verfügung stellen.

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Wir wollten einen Raum für Leute schaffen, die eine Idee haben, allerdings nicht wissen, wo sie diese umsetzen können.

Ob für Workshops, Lesungen, eine Release-Party der besonderen Art oder auch für private Zwecke wie Geburtstage: Das Oben Studio soll eine Plattform für Kreative und ihre Projekte sein. Dabei wollen die beiden sich bewusst nicht mit ihren eigenen Projekten in den Vordergrund stellen, sondern anderen die Möglichkeit bieten, ihre Ideen zu verwirklichen.

Wir hoffen, dass das angenommen wird und dass die Leute keine Berührungsängste haben. Das wäre echt toll.

Die Dinner sollen natürlich trotzdem weiterhin regelmäßig stattfinden. Anmelden kann man sich ganz einfach per Nachricht auf der Open-Dinner Facebookseite. Hier gibt’s übrigens auch alle Infos zu den kommenden Terminen und Bilder von Valis und Patricks kulinarischen Meisterwerken.

Oben Studio @ HOMEPAGE

Oben Studio @ FACEBOOK

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Bleibt nur noch eines zu sagen: Liebe Vali, wir freuen uns schon auf eine Reise nach Neapel, Capri und Co., bei der du uns hoffentlich wieder so lecker verköstigst und schicken ein „in bocca al lupo“ (viel Glück) raus, auf dass das Oben Studio viele tolle Projekte in die Mutterstadt holt!

NAME: Valerie Hoffmann Camarda – ALTER: 33

HERKUNFT: Feuerbach – STADTTEIL … West

WAS ICH SO MACH’ … PR, Fashion, Dinner-Partys organisieren (Open Dinner), reisen und am Strand liegen

MEIN LIEBLINGSORT IN STUTTGART IST … Feuerbach. Oder das Souk Arabica in der Schlossstrasse. (Ich gehe oft kurz vorbei, kaufe mir ein Getränk oder etwas Obst und hole mir ein nettes Gespräch und Lächeln ab.)

GLÜCKLICH MACHEN KANN MAN MICH MIT … Pino Daniele & Pasta

MEIN PERFEKTES WOCHENENDE VERBRINGE ICH MIT … meinen Freunden und/oder Familie am Strand, mit viel Zeit und ohne Telefon

ICH KANN NICHT OHNE … Liebe

DAS SOLLTE MAN GESEHEN HABEN … Bestimmt ganz viele Orte auf der Welt, aber auf jeden Fall Neapel und die Amalfiküste

DAS MACHE ICH, WENN KEINER ZUSCHAUT … beten und in die Kirche gehen

ICH WÜRDE NIEMALS … nie sagen

ICH LIEBE AN STUTTGART … die kurzen Distanzen und den Killesberg

ICH HASSE AN STUTTGART … nichts

WENN NICHT STUTTGART, DANN … Capri

DAS HABE ICH IMMER IM GEPÄCK … am besten die richtige Klamotte und viel Neugier

WENN ICH MORGENS AUFSTEHE, MACH ICH DAS IMMER ZUERST … meinem Freund einen Kuss geben

SO KRIEGT MAN MICH RUM … mit einem Lächeln

WENN ICH DIE FREIE WAHL HÄTTE, WÜRDE ICH HEUTE ABENDESSEN MIT … meinem verstorbenen Onkel Giacomo

UND ZWAR WO? … in Terracina (IT) bei ihm Zuhause

STUTTGART, ICH WOLLTE DIR SCHON IMMER EINMAL SAGEN: Gönn’ dir ein bisschen Offenheit und Unvoreingenommenheit. Alles gut!

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