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In der Serie „0711er der Woche“ stellen wir euch jeden Montag einen Stuttgarter vor, den man unter Umständen kennt – und doch nicht so recht kennt. Leute, die unsere Stadt durch ihr Schaffen auf verschiedenste Art bereichern, aber oftmals doch im Hintergrund bleiben. Menschen wie du und ich, die ihren Teil dazu beitragen, dass Stuttgart das ist, was es ist: unsere Stadt, die Mutterstadt. Nachdem wir mit dem jeweiligen 0711er etwas Zeit verbringen, verewigen sie sich in unserem 0711er Buch.


Es ist nicht, wo du bist, es ist, was du machst. Dieses Motto passt zu Vanessa Heepen wie die Faust aufs Auge. Denn egal wo das 28-jährige Organisationstalent seine Finger im Spiel hat, eines ist so gut wie sicher: Es wird ein voller Erfolg. Auf drei Pop-Up-Stores in den letzten zwei Jahren folgt nun ihr erstes anti-temporäres (hat nichts mit Deos zu tun) Projekt: Ein eigener Onlineshop.

Ein Text von Alessandra mit Fotos von Saeed

Ursprünglich kommt die Frau mit dem ansteckenden Lachen aus dem 50 km entfernten Bottwartal – genauer gesagt aus einem kleinen Dorf namens Oberstenfeld. „Kennt niemand, ist auch überhaupt nicht schlimm“ lacht Vanessa. „Meine ganze Familie wohnt auch heute noch dort. Das sind auch alles Selbstständige, wie ich – vielleicht liegt dieses Unternehmer-Ding einem einfach in den Genen.“

Schon als junger Hüpfer sei sie oft mit Mama Heepen, die damals ein Schmuckatelier in Stuttgart führte, in der Schwabenmetropole gewesen und dabei auf den Geschmack des Kessels gekommen. Auch die Liebe zum Detail und den Blick für schöne Dinge habe sie wohl von ihrer Mutter, so die 28-Jährige. So kam es, dass sie vor fünf Jahren ihre sieben (oder auch acht) Sachen packte und nach Stuttgart zog. Erst ins Heusteigviertel, später in die – wie könnte es anders sein – wohl schönsten 80 Quadratmeter nahe dem Marienplatz, die man sich nur vorstellen kann (davon konnten wir uns selbst überzeugen).

Der Marienplatz ist auch das Stichwort, da ging vor zwei Jahren im Prinzip alles los.

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Im Juli 2014 gründete Vanessa gemeinsam mit einem Stuttgarter Kollektiv ihren ersten Pop-Up-Store namens TEMPS, kurz für Temporary Supermarket. Wie der Name schon erahnen lässt, war die Nutzung des Ladens und das gesamte Konzept nur für einen bestimmten Zeitraum ausgelegt. Und genau das sei es, was sie daran so gereizt habe, erinnert sich Vanessa zurück: „Das war natürlich super spannend und hat total viel Spaß gemacht. Die Planung, die Organisation und die Auswahl der Designer – aber durch die Jobs, die wir hatten, wäre es gar nicht möglich gewesen den Laden für längere Zeit zu halten.“ Denn neben ihren Projekten arbeitet unser 0711er der Woche in einem Grafikbüro. Das hielt sie allerdings nicht davon ab, bereits wenige Monate nach ihrem ersten Store einen weiteren „Laden-auf-Zeit“ zu eröffnen: „Im November 2014 ging es dann auch schon im Fluxus weiter. Da habe ich dann gemeinsam mit Anna von KVINNA Taschen TEMPS für drei Monate wieder aufleben lassen.”

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Und wie das bei Menschen voller Tatendrang so ist, hatte Vanessa natürlich direkt das nächste Projekt im Kopf. „Wenn ein Shop dann fertig war, hab ich immer überlegt ‚hm, was kann man denn jetzt noch machen?‘ und war gedanklich eigentlich immer schon einen Schritt weiter“. Bei einem Gläschen Wein im Urlaub in der Toskana, sei ihr und Freundin Anna dann die Idee für „The Local House“ gekommen.

Einige werden sich jetzt wehmütig an die schöne Vorweihnachtszeit in dem schwarzen Haus am Stuttgarter Marktplatz zurückerinnern. Ein Ort, der mit eigener Galerie im 2. Stock abseits des Mainstreams die Herzen sämtlicher Designliebhaber (inklusive unserem) höher schlagen ließ. Das Konzept, die Gestaltung und die gesamte Vermarktung, habe sie gemeinsam mit der Unterstützung vieler Freunde und Dank nächtlicher Skype-Gespräche mit Freund und Grafiker Steffen, der damals in Taipeh war, innerhalb von 14 Tagen auf die Beine gestellt.

Das hat mir echt Spaß gemacht. Ich mag das, wenn man dann so richtig auf Hochtouren läuft und alle Girls waren immer am Helfen – das war total schön und nur so funktioniert so etwas auch.

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Apropos Girls, die seien ihr – neben dem Reisen – super wichtig, betont Vanessa und verrät: „Ich muss auch sagen, so ein richtiges Hobby hab‘ ich eigentlich gar nicht. So, dass ich sag‘ ich geh Tennis spielen oder treff‘ mich mit dem Strickverein. Mir ist einfach wichtig, dass ich meine Freunde oft genug sehe – und wenn man sich nur abends noch kurz  auf ein Weinchen im Condesa trifft“, sagt Vanessa.

Ob sie mit dem Gedanken spiele auch mal langfristig einen Laden in Stuttgart zu öffnen, fragen wir sie – zugegebenermaßen aus nicht ganz uneigennützigen Gründen. Ihre Antwort darauf stimmt uns ein bisschen traurig: „Ich bin oft in anderen Städten, reise sehr viel, laufe einfach drauf los, bin immer auf der Suche nach besonderen Ladenkonzepten und Produkten und finde das auch toll, aber ich glaube aktuell sehe ich das jetzt nicht so – vielleicht kommt das irgendwann, das kann ich nicht ausschließen.“

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Ein Ass hat Frühaufsteherin Vanessa dann allerdings doch noch im Ärmel – und das ist tatsächlich gar nicht mal so übel, denn am 08. Juni, tadaa, feierte Vanessa gemeinsam mit Freunden und eingefleischten „The Local House“-Fans im Oben Studio den Release ihres gleichnamigen Onlineshops.

Für mich und für ‚The Local House‘ hab‘ ich die Konstante jetzt im Online Business gefunden. Ich finde das sehr interessant. Da hat man einfach die Möglichkeit noch mal ein viel größeres Publikum anzusprechen.

Der Onlineshop solle neben dem reinen Einkaufserlebnis eine Plattform sein, die als Inspirationsfläche diene, so Vanessa. „Man soll sich dort Ideen holen und uns vielleicht auch anschreiben und sagen ‚Hey ich mach auch Produkte, ich stell die selbst her und wäre das nicht interessant?‘“ Neben Accessoires, Schmuck, Interieur, Paper und Goods wie beispielsweise Duftkerzen aus Paris, seien sowohl die gängigen Labels als auch neue Designer mit dabei. Das sorge für die nötige Abwechslung, meint Vanessa.

Neben ihrem virtuellen Shop, schwirre ihr aber auch schon wieder eine Idee für ein reelles Ladenkonzept durch den Kopf: Eine Pop-Up-Tour durch verschiedene Städte Deutschlands soll es geben. So der Plan. „Und dann, wenn es klappt, auch auf Weihnachten vielleicht wieder etwas in Stuttgart – das weiß ich noch nicht“, fügt Vanessa mit einem Augenzwinkern hinzu.

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Wir können also aufatmen, denn der Online-Shop ist sicher nicht das Letzte, was wir von dieser Frau zu sehen und zu hören bekommen. Und das ist auch gut so. Wir sagen danke Vanessa, für deine Hummeln im Hintern und deine erfrischende Art und freuen uns auf viele weitere Heepen’sche Projekte.

 

NAME … Vanessa Heepen – ALTER … 28 

HERKUNFT … geheim – STADTTEIL … Süd

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WAS ICH SO MACH’ … Pop-ups und Online Shop(ping)

MEIN LIEBLINGSORT IN STUTTGART IST … der Marienplatz

GLÜCKLICH MACHEN KANN MAN MICH MIT … Blumen

MEIN PERFEKTES WOCHENENDE VERBRINGE ICH MIT … meinen Girls

ICH KANN NICHT OHNE … lachen

DAS SOLLTE MAN GESEHEN HABEN … The Local House Webshop

DAS MACHE ICH, WENN KEINER ZUSCHAUT … 30 Sekunden Tanzparty im Schlafanzug und Snapchat Selfies

ICH WÜRDE NIEMALS … freiwillig in Camping Urlaub fahren

ICH LIEBE AN STUTTGART … Den Park (nicht Perkins Park)

ICH HASSE AN STUTTGART … Baustellen und Spießbürgertum

WENN NICHT STUTTGART, DANN … New York und Kopenhagen

DAS HABE ICH IMMER IM GEPÄCK … Notizbuch und Stift

WENN ICH MORGENS AUFSTEHE, MACH ICH DAS IMMER ZUERST … Instagram checken und Kaffee trinken

SO KRIEGT MAN MICH RUM … ähm… puhh… hmm… weiß nicht…

WENN ICH DIE FREIE WAHL HÄTTE, WÜRDE ICH HEUTE ABENDESSEN MIT … Leandra Medine

UND ZWAR WO? … Jack’s Wife Freda, NYC

STUTTGART, ICH WOLLTE DIR SCHON IMMER EINMAL SAGEN … mach einfach

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