santana-jazz-open-8

Kein Jazz Open ohne lebende Musik-Legenden: Nach genau 20 Jahren kehrt Carlos Santana, Fleisch gewordener Gitarrengott, mit seiner gleichnamigen Gruppe zurück zum Stuttgarter Liebhaberfestival. Mit im Gepäck: feinster Latin-Rock aus fast 40 Jahren Bandgeschichte.


Santana-pano-2-web

Der Abend startet mit legendärem Vorprogramm: Dr. Lonnie Smith, Doktor der Jazz-Orgel, der seinen Titel zwar nur honoris causa, dafür aber völlig verdient trägt, betritt die Bühne. Der 73-Jährige scheint mit seinem Instrument verwachsen zu sein. Jeder Ton zieht eine nicht weniger laute Verzerrung seiner Mimik nach sich. Eine Leidenschaft, die übrigens auch bei jedem seiner Bandmitglieder zu beobachten ist: Der Spaß an der Musik ist ihnen ins Gesicht geschrieben. Dr. Smith freut sich über jede Note und das Publikum freut sich mit. Es ist völlig unmöglich sich nicht von dem Mann mit weißem Rauschebart und knallorangenen Turban mitreißen zu lassen.

santana-jazz-open-29

Er selbst sagt über seine Musik:

It’s an extension of my being. It’s a part of my lens. It breathes for me; it speaks for me. I feel every bit of the organ. It’s like electricity – a fire that goes through my body. You can feel it vibrate. There’s nothing like it. It lifts me up, it crawls through the pores of the room.

Seit 50 Jahren ist er nun im Geschäft und noch kein bisschen müde. Wir fühlen die Schwingungen des Doktors und freuen uns auf Carlos Santana und seine Band.

santana-jazz-open-4santana-jazz-open-5

Umbaupause, der Platz im Innenhof des Stuttgarter Schlosses füllt sich. Die letzten Gäste kommen vom Wein holen und versammeln sich vor der Bühne. In den ersten Reihen macht sich der Duft von Räucherstäbchen breit. Ohne den betritt Carlos nämlich keine Bühne der Welt. Direkt auf seinem Verstärker wird ein kleines Bild von Jesus Christus aufgestellt. Auf der LED-Leinwand laufen Aufnahmen alter Konzerte des Gitarrenmeisters, Menschen mit runden Brillen, gemeinsames Tanzen, Peace, Love and Music. Die Band betritt die Bühne.

santana-jazz-open-10

Ganz unscheinbar hält sich Carlos Santana im Hintergrund. Hier geht es ums gemeinsame Musikmachen, keiner beansprucht den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Für Stimmung sorgen zwei Sänger, die ganz nebenbei auch noch Percussion und Posaune spielen. An den Drums: Cindy Blackman-Santana, Carlos’ Frau. Jeder auf der Bühne ist Vollblut-Musiker, ein Gänsehaut-Solo jagt das nächste. Auch Dr. Smith lässt es sich nicht nehmen nochmal an der Orgel Platz zu nehmen.

Zwischen zwei Songs nutzt Carlos die Gelegenheit und ergreift das Wort. Er erinnert an seine verstorbenen Musiker-Kollegen Jimi Hendrix und Bob Marley, appelliert an die Liebe der Menschen, One Love. Wieso müssen wir uns gegenseitig bekriegen, negative Gefühle gegenüber anderen haben? Alle Menschen sind gleich, die Liebe ist stärker als jede Behörde, jede Kraft der Welt. Recht hast du, Carlos. Noch immer der gleiche Hippie wie vor 40 Jahren, nutzt er die Bühne um seine Botschaft des Friedens zu verbreiten.

 

Gebannt von der Show bemerkt man kaum die einsetzende Dunkelheit. Nachdem fast alle Hits der Band abgehandelt sind, verabschieden sich die Musiker genauso unauffällig, wie sie kamen. Wir sprechen wohl für jeden Besucher, wenn wir sagen: danke Santana, danke Jazz Open für einen tollen Abend vor einer Wahnsinns-Kulisse.

Santana-pano-1-web

Felix Schwarz
Author

Macht Film, Foto, Text, manchmal alles, manchmal nichts.

Write A Comment